⚠️ Historical Documentation Notice
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[Verbatim trial transcripts | David
Irving’s “Radical’s Diary” für Jan.: 28
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Berlin,
[taz: Verhandelt
wird der
Holocaust]
Teure
Anzüge und billige Behauptungen
Immer
wieder versucht der selbst ernannte Historiker David
Irving die Verbrechen der Nazis zu relativieren:
Hitler sei gar nicht so schlimm gewesen. Neonazis in
aller Welt lieben ihn dafür, nach Deutschland darf
er nicht mehr einreisen
BERLIN taz — David Irving weiß, dass er “an physische Grenzen gestoßen” ist. Sieben
Stunden stand er täglich vor Gericht, “nachts habe ich oft bis vier Uhr gearbeitet”, lässt er seine Fans jetzt per Deutsche
National-Zeitung wissen. Irving, selbst ernannter Historiker und Publizist, verliert seine neonazistisch denkende Kundschaft niemals aus den
Augen.
Am Ende eines jeden Verhandlungstages klemmt er sich die
Prozessunterlagen unter den Arm, eilt nach Hause und stellt sie ins Internet. Er legte ein Tagebuch des Prozesses an, mit Protokollen von Aussagen im
Verfahren und mit diversen Links zu allen Webseiten, auf denen sein Name genannt wird.
Die verehrten Gefolgsleute registrieren die
Dokumentenflut dankbar. “Unsere Rechtsabteilung verfolgte den Prozess mit hoher Aufmerksamkeit”, bestätigt
Bernhard Dröse, Pressesprecher der Deutschen
Volksunion (DVU). Offiziell mag die DVU keine Stellungnahme zum Prozess abgeben, doch Dröse ist “pesönlich fasziniert von Irvings überwältigender Kompetenz, dem Daten- und Faktenwissen”.
Der
62-jährige Irving, der kein
Studium abgeschlossen hat, machte sich als Verfasser historischer Werke einen Namen. Sein Buch “Der
Untergang Dresdens” verschaffte ihm 1963 den Einstieg in die Riege der Bestsellerautoren über den Zweiten
Weltkrieg.
Hierfür sichtete er in britischen
Militärarchiven, aber auch in Dresden, zuvor unbeachtete Unterlagen über die Hintergründe des englischen Luftangriffs auf die Stadt im Februar 1945.
“Irving hat aus Dresden ein Symbol gemacht”, schwärmt
DVU-Mann Dröse.
Irving, besessen von NS-Größen, brachte heftig umstrittene Biografien auf den Markt: über
Feldmarschall Rommel, Reichsmarschall
Göring aber auch über den britischen
Premier Churchill. Deutsche Medien, wie
Der Spiegel, druckten gerne
Auszüge ab. Im Moskauer Zentralen Staatsarchiv durfte
Irving die Tagebücher des Hitler-Demagogen Joseph
Goebbels abtippen.
Seine
Manie, sich nur auf Aktenmaterial als Quelle zu stützen, führte ihn nach und nach auf ein politisches Abstellgleis. Ende der Siebzigerjahre publizierte er ein Hitler-Buch, in der er sich zu der These verstieg, der Führer habe nichts von dem Massenmord an den Juden gewusst. Irving stützte sich dabei auf neue, jedoch nicht beweiskräftige Dokumente. Seither wird er von der Fachkritik geschnitten.
Unverdrossen versorgt er als Hitlers williger Anwalt die internationale braune Szene. Seine Botschaft an das Publikum heißt: Hitler war in Ordnung. Mal behauptet er, die
Gaskammern in Auschwitz seien eine Fälschung, nach dem Krieg von Polen als touristische Attraktion errichtet. Ein anderes Mal will er zeigen, dass Churchill mehr Deutsche durch die
Bombardements umbrachte als gedacht. Und Hitler weniger
Juden.
Will sagen: Der eine war genauso menschenverachtend wie der andere. Schon kurz vor der Wende tourte der
Duzfreund von Theaterautor Rolf Hochhuth durch die
DDR. Irving trat in Gera, Dresden und Leipzig auf. Auch nach der Wiedervereinigung mussten ihn die Fans nicht missen.
Vom Landgericht München II wurde Irving 1993 zu
30.000 Mark Strafe verurteilt, weil er seine Behauptung, in
Auschwitz habe es “nie Gaskammern gegeben” mehrfach
öffentlich wiederholt hatte. Inzwischen wurde er mit einem dauerhaften Einreiseverbot für Deutschland belegt.
Die Treue der Neonazis zu Irving, dessen
Mohair-Anzüge 2.000 Pfund kosten, scheint unverwüstlich. Irvings Prozess ist für die hiesige rechte Szene eine einzigartige Gelegenheit, nach Jahren noch einmal revisionistische Theorien groß auszubreiten. Er sagt, “treue Freunde” stünden ihm finanziell zur Seite.
— ANNETTE ROGALLA
Berlin, March 16 2000
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