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For similar attacks on
David Irving see the Cesspit section
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Frankfurter Allgemeine Zeitung , Feuilleton, 24. Februar
2000
[English
translation]
Der Wald hat viele
BäumeDavid Irvings Prozess in London und der
Gutachter Richard Evans
David Irving ist ein standfester
Mann. Ein Mann wie ein Schrank. Montag mit Donnerstag, von
10 Uhr 30 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, tritt er im Saal
73 des Royal High Court in London als Kläger und
Verteidiger in eigener Sache auf. Manchmal ist er der streberhafte Schuljunge, manchmal die beleidigte Diva, manchmal das Opferlamm. Erregung oder innere Unruhe kompensiert er durch Hin- und Herdrehen seiner Lesebrille oder Schnippen mit den Fingern.
Seit Januar wird vor dem High Court die Klage Irvings gegen die Religionswissenschaftlerin und Holocaustforscherin
Deborah Lipstadt und ihr bei Penguin erschienenes Buch
,Denying the Holocaust” verhandelt. Irving klagt gegen die von Lipstadt erhobene Anschuldigung, er sei ein
Holocaust-Leugner. Er sieht sich als seriösen Forscher, der beweisen kön ne, dass der Holocaust — als systemati sche Aktion — nicht stattgefunden habe.
Die prominenten Verteidiger der Be klagten, die
Anwälte Anthony Julius und Richard
Rampton, haben international anerkannte
Holocaust-Fachleute als Zeu gen benannt: Christopher
Browning’ Ro bert Jan van Pelt, Richard Evans, Peter
Longerich. Denn in diesem Verleum dungsprozess „steht” wie die Februar-Ausgabe des Atlantic Monthly titelte, nichts Geringeres als der „Holocaust vor Gericht”.
Der
Holocaust und seine juristische Beweisbarkeit: Nach englischem Recht liegt die Beweislast auf Seiten der
Beklagten.
Als deren Zeuge war in diesen Tagen Richard Evans
geladen, Professor für moderne Geschichte in Cambridge.
Über 700 Seiten umfasst sein Gutachten, das ausführlichste dieses Prozesses.
Evans war schockiert, wie er einleitend bemerkte, er sei nicht vorbereitet gewesen auf das Maß der
Zweideutigkeit, das er bei Irvings Umgang mit historischen
Quellen angetroffen habe. Manchmal scheint er sich im
Zeugenstand zu krümmen, und erst recht ist sein
Gesichtsausdruck gequält, wenn er Irving versichert, er habe nichts gegen ihn persönlich, was ihm missfalle, seien Irvings Aussagen.
Er erklärt, warum er Dokumente, die Irving zitiert, nicht für schlüssig oder gültig hält, verwahrt sich gegen Wortklaubereien
— und man meint zwischendurch, eigentlich könne der fingerschnippende Irving sich und seine Argumente nicht mehr lange aufrecht halten. Doch der zeigt sich trainiert in seiner Rolle und genießt das Forum, das er hat.
So versucht er dem Geschichtsprofessor nachzuweisen, dass die Alliierten eine Hauptschuld an den Grausamkeiten und
Totungen trügen. Oder dass es sich bei Anne
Franks Tagebuch um einen Roman handele. Oder dass Hitler die Pogrome der „ Reichskristallnacht” keineswegs selbst angeordnet, ja, sie gar nicht gewollt habe.
Oder dass die
Ziele der Wannsee-Konferenz nicht eindeutig gewesen seien und dass Hitler die
Lösung der Judenfrage vertagen wollte bis nach Kriegsende.
Stück für Stück zerpflückt Irving
Evans Dokumentation, stets bereit, ihn bloßzustellen, wenn Evans nicht gleich Fußnoten und Textstellen im
Gedächtnis hat. Regelmäßig verbeißt er sich ins Detail, wird zum nervenden Erbsenzähler.
Wiederholt mahnt ihn Richter Charles Gray, zur Sache zu kommen. Gray ist ein Pokerface, erfahren in prominenten
Ver leumdungsfällen. „Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht, Sie betreiben Haarspalterei.”
Journalisten gegenüber gibt sich der Kläger leutselig; wenn man seine guten Deutschkenntnisse erwähnt, verweist er auf seine Zeit als junger Arbeiter bei Thyssen im Ruhrgebiet und meint stolz, das gehe auf keine Kuhhaut. Dann packt er die Unterlagen in seine
Tüten und bereitet sich auf den nächsten Morgen vor.
Im Saal 73 ist es kalt in diesen Februartagen. Vor allem aber wird einem beim gerichtlichen Schlagabtausch kalt bei solchen Fragen wie: Stellt der Holocaust selbst, der Umgang mit Archivmaterial, sonstigen Beweisdokurnenten und Zeu genberichten nurmehr eine rhetorische Manövriermasse dar? Wie steht es mit der Gültigkeit historischer
Forschungser gebnisse, werden Wahrnehmung und Au genschein künftig relativ sein?
Oft zitiert während dieses Prozesses werden brutale
Sprüche des Klägers: seine Äußerung,
Aids sei die Endlösung für alle Afrikaner und
Homosexuellen. Oder das Schlaflied, seinerzeit verfasst für sei ne jüngste Tochter und notiert in den Ta gebüchern, die er an die Verteidigung ge ben musste:
„I am a baby Aryan / Not Jewish or sectarian / I have no plans to marry an / Ape or Rastafarian”.
Die englische Rechtsprechung lässt dem Kläger jeden Raum, sich darzustellen. Skeptiker verweisen auf die
Formalien und die Grenzen dessen, was Justiz zu leisten vermöge. Optimisten hegen die große Hoffnung, dass dieser Prozess mit der Auschwitz-Lüge endgültig aufräumen werde. Irving veröffentlicht auf seiner Website täglich
Prozess-Dokumente, rechnet mit seinen Gegnern ab, bittet um finanzielle
Unterstützung für seine Sache.
Am gestrigen
Mittwoch trat Holocaust-Forscher Peter Longerich in den Zeugenstand. Bis April soll das Verfahren andauern.
BIRGIT WEIDINGER
Website fact: The
Durchhaltevermögen of the defence team is aided by a five million dollar fund provided by the
American Jewish Committee, which enables them to pay the “experts” Evans, Longerich, etc., £750
(DM2500) per day (and the defence’s star legal team is paid considerably more). Nobody is paying for Mr
Irving, who has been fighting this Existenzkampf for three whole years. [Help]
February 24, 2000
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