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Historical Documentation Notice

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Posted Friday,
August 27, 1999


Alphabetical
Website index (text)

In August
1999 Die Welt
(Hamburg,
Germany) serialised extracts from a 1962
Eichmann manuscript. ACTION REPORT
reproduces those excerpts here as a
service to historians

3:
„Es dauerte nicht lange, bis ich
Jiddisch las”

Adolf
Eichmann erfährt von dem Ziel der
„Entjudung” — Fortsetzung der
Dokumentation seiner
Aufzeichnungen

Adolf Eichmanns beschreibt seinen Vortrag über die
„Zionistische Weltorganisation”.
Der Text wird ohne orthografische, syntaktische oder stilistische
Korrekturen abgedruckt.

ER war wie viele seiner engeren
Landsleute, grob oftmals in seiner
Ausdrucksweise und im Umgang mit anderen, aber ehrlich, genau und bienenfleissig. Er bearbeitete alles, was zur
„Assimilation” gehörte.

Es kam zum Referat ferner ein weiterer kleinerer SS-Dienstgrad, auch so etwa um den Unterscharführer herum; er hieß (Walter) Eisenmenger und war aus Westdeutschland. Jahrelang war er aber in span. Marokko und Tanger, wohl im
Auftrag einer Handelsgesellschaft tätig und verkaufte Orden und
Ehrenzeichen gewissermaßen en gros; was er sonst noch verkaufte, vergaß
ich: an die beiden kann ich mich noch entsinnen.

Viel Arbeit gab es um jene Zeit nicht, der Aktive, der neue Gedanken und
Impulse gebende von Mildenstein war in
Nordamerika.

Nach seiner Rückkehr lud er die
Referatsangehörigen in seine Wohnung; erzählte uns von Land und Leuten und verabschiedete sich gleichzeitig, in die
Dienststelle Todt oder das Propaganda
Ministerium gehend.

Damit die Belegschaft des Amtes nicht durch langes Sitzen erlahme, wurde um jene
Zeit mehrmals wöchentlich von 6 h —
8 h früh Exerzierdienst im Park, der sich hinter dem Palais Wilhelmstr. 102
ausbreitete, angesetzt; eine vielen höchst unbequeme, mir soweit nicht unbehagliche neue Einrichtung.

Wir wurden in diesen Stunden, ohne Rücksicht auf
Dienstgrad, von irgendwelchen Ausbildern
„herumgeschliffen”, bis wir um 8 h totmüde unser Frühstück einnahmen und um 1/2 9 h den normalen
Dienst begannen.

Um diese Zeit arbeitete in einem kleinen Häuschen an einer Parkseite gelegen der Goldmacher Tausend. Nomen est omen, dachten wir uns, denn er gab Himmler vor, aus irgend etwas billigerem das teurere Gold machen zu können. Er hatte dort ein richtiggehendes kleines
Laboratorium zu Verfügung, in dem er einem Alchimisten gleich werkte. Ich habe ihn nie gesehen, auch nie wieder etwas
über ihn gehört. Der
Reichsführer SS und Chef der
Deutschen Polizei schien ihm damals jedenfalls zu glauben.

Wisliceny war nicht der Mann,
„hinter der Arbeit herzusein”. Er war froh, wenn man ihn in Ruhe ließ und er, der ewig Bücherlesende, weiter lesen konnte. Er war ein durchaus sympatischer Vorgesetzter und ob seines phlegmatischen Wesens mochten wir ihn alle gern.

In Geschichte kannte er sich zwar vorzüglich aus, doch als ich einmal meinte, daß ich an einen tausendjährigen Bestand des Reiches in der jetzigen Form nicht glaube, weil in der Regel alle großen Reiche nach dem Tode ihrer Gründer, nach kurz oder längerer Zeit verfielen, ich erinnerte ihn an Beispiele aus der Antike, wie das Reich eines Alexander des
Großen, widersprach er mir heftig.

Um jene Zeit mag es auch gewesen sein, daß in Bernau bei Berlin eine
SD-Schule unter Leitung eines
Schulungsleiters aufgezogen wurde. Ein kleiner Glaspalast, so glaube ich sie heute noch in Erinnerung zu haben, der vor
1933 von irgendeiner Gewerkschaft zu gleichen, also Schulungszwecken erbaut wurde.

Die Sachbearbeiter, wohl auch
Referenten des SD-Hauptamtes, mußten hier in ungefähr regelmäßigen Abständen
Vorträge halten. Ich glaube, so alle
14 Tage einmal. Geschickt wurden hier einmal Angehörige der SD-Ober (abschnitte) und Abschnitte,
SS-Führer der allgemeinen SS,
Ortsgruppenleiter und einige male auch
Kreisleiter, einmal Wehrmachtoffiziere, von welcher Einheit weiß ich heute natürlich nicht mehr zu sagen.

Ich hatte dort über die
„Zionistische Weltorganisation, deren
Auftrag und wollen” sowie über die
„Neuzionist. Organisation”, über die ich aber nicht viel sagen konnte, weil ich nur wenig darüber wußte, zu sprechen. Mein erster Vortrag dauerte genau 20 Minuten statt 1 Stunde, da ging mir der Stoff aus; dann besserte ich mich und brachte es auf etwa 3/4 Stunde jedesmal. Der Rest der Stunde ging in
Discussion unter.

Diese ewige Fragerei nach meinem Referat war es, was mir um jene Zeit am unerträglichsten war.
Ich habe von da ab gelesen, gelesen und wieder gelesen.

Eisenmenger unterhielt die
Referatsangehörigen mit seinem schier unerschöpflichen Vorrat an Schnurren und angeblich bestandener Abenteuer in
Nordafrika, der Schreibmaschinenschreiber schrieb so langsam, daß er zu der wenigen Schreibarbeit tatsächlich den ganzen Tag benötigte, die zwei
Hamburger SS-Männer hatten uns irgendwie verlassen. Dafür bekamen wir mit anderen Zeitungen jetzt auch von der Presseabteilung des SD-Hauptamtes den in Riga erscheinenden „Haint”.

Es war aber in hebräischen Lettern geschriebenes Jiddisch, das kein Mensch lesen konnte. Eines Tages kaufte ich mir in einer Buchhandlung „Iwrit Lavat”, so hieß das Bändchen wohl, von
Samuel Kaleko. Ich lernte die Druckschrift lesen und es dauerte nicht allzu lange, dann konnte ich äußerst langsam zuerst, dann doch einigermaßend den
„Haint” in etwa lesen.

Es war die Zeit, in der Reichsgesetze,
Durchführungsbestimmungen,
Verordnungen, Erlasse am laufenden Bande seitens der jeweils zuständigen
Reichsministerien herauskamen mit dem Ziel der „Entjudung der deutschen
Lebensgebiete”.

Es war die Zeit, in der hohe und höchste Stellen auf eine beschleunigte Auswanderung der Juden offiziell in ihren Reden und Schriften hinwiesen. Und es gehörte zum guten
Ton, daß „Jedermann” irgend etwas dazu beitragen wollte. Die Zeit der
Denunziationen war ebenso angebrochen wie die der „Arisierung”, Juden
„unerwünscht”, „für
Juden verboten”, Kennzeichnungspflicht der
Juden u.Ä.m.

„Ich traf einen Agenten von der
Haganah”

Adolf Eichmann über seine Treffen mit dem jüdischen Funktionär
Feivel Polkes — Fortsetzung der
Dokumentation

Die WELT setzt ihre Dokumentation der
Erinnerungen Adolf Eichmanns fort. Er erhält die Einladung, nach
Palästina zu fahren. Der Text wird ohne orthografische, syntaktische oder stilistische Korrekturen abgedruckt.

Ernst von Bolschwingh besuchte uns immer noch ziemlich regelmäßig.
Monatlich war ein Monatslagebericht zu erstellen. Die Sachbearbeiter sammelten während der Monate ihr Material, welches bei uns aus Zeitungsausschnitten oder Berichte der SD-Oberabschnitte bestand, formten aus dem
„Monatsmaterial” ihren
Sachbearbeiterbericht, und der Referent formte hieraus seinen monatlichen
Referatsbericht.

Dies war für
Wisliceny eine leichte Angelegenheit, er schüttelte ihn förmlich aus dem
Handgelenk. Des Maschinenschreibers traurigsten Tage des Monates waren angebrochen, denn die Berichte waren alle terminiert.

Das Amt „I” verfertigte dann aus allen seinen Referatsberichten einen
Amtsbericht, der mit den übrigen
Amtsberichten des SD-Hauptamtes dem Chef des SD-Hauptamtes, der ja auch gleichzeitig Chef der Geheimen
Staatspolizei war, vorgelegt wurde.

Dies ging nun gleichförmig so dahin bis etwa um die Zeit, Sommer vielleicht Frühsommer besser gesagt,
1937.

Aus dem SD-Hauptamt war durch
Umorganisation das
„Reichssicherheitshauptamt” entstanden, geleitet vom Chef des
Reichssicherheitshauptamtes,
SS-Obergruppenführer Heydrich. Unsere
Ärmelstreifen wurden ebenfalls vertauscht, nunmehr mit der Aufschrift
„Reichssicherheitshauptamt”. Und irgendwie um jene Zeit hieß dann die offizielle Bezeichnung Heydrichs „Der
Chef der Sicherheitspolizei und des
SD”.

Inzwischen waren auch die laufenden
Beförderungen in dienstgradmäßiger Hinsicht weitergegangen; ich war inzwischen zum
SS-Hauptscharführer, gleich
Hauptfeldwebel, aufgerückt. Wisliceny hatte bereits seinen
SS-Untersturmführer, also Leutnant.
Dannecker war SS-Oberscharführer geworden. Der morgendliche Exerzierdienst hatte längst aufgehört. Und mit all diesen laufenden Umorganisationen wurde auch unser Amt neu besetzt.

Amtschef war nun
SS-Standartenführer Dr. (Franz) Six, gleichzeitig mit der Dekanatswürde des Auslandswissenschaftlichen Institutes der Universität Berlin ausgestattet; sein Stabsführer war
SS-Hauptsturmführer (Erich)
Ehrlinger, auch aus Tübingen wie mein
Sachbearbeiter-Kamerad jener Tage, Theodor
Dannecker.

Und wie das schon so bei Umbesetzungen geht, haben solche meist Weiterungen im
Gefolge. Mein bisheriger Vorgesetzter
Dieter Wisliceny wurde abgelöst von einem SS-Oberscharführer Herbert
Hagen. Er war bisher auch unter Six gewesen, als dieser noch Chef der
Presseabteilung des SD-Hauptamtes war.

Wohin Wisliceny versetzt wurde, vermag ich mich heute nicht mehr zu entsinnen.
Bei dieser Gelegenheit verschwand auch
Eisenmenger, der dem neuen unmittelbaren
Vorgesetzten Hagen wohl keine rechte
Erklärung für seine bisherige
Tätigkeit nachweisen konnte, denn in der Tat, er hatte wirklich nie etwas zu tun gehabt; ich glaube wegen seiner spanischen Sprachkenntnisse kam er in das
Amt VI, (SD-)Ausland.

Hagen organisierte und aktivierte, denn es mußte ja etwas geschehen, denn auch sein Chef und, ich glaube, persönlicher Freund Six war ebenfalls von einer sachlichen Aktivität und persönlichen Agilität, wie wir dies bisdahin nicht kannten. Hagen knöpfte sich als eine seiner ersten
Maßnahmen seine Sachbearbeiter vor und ließ sich tagelang, stundenweise genaueste Detailschilderung geben und tat dies solange, bis wir wirklich nichts mehr zu sagen hatten.

Und das Erstaunliche: Ab diesem Zeitpunkt wußte „nach oben” alles Hagen. Und um ehrlich zu sein, er wußte es wirklich; hatte sich zusätzlicher mir nicht bekannter
Quellen, die im außenpolitischen
Institut gelegen sein mögen, bedient und wußte über die
Referatsarbeit „Judentum” betreffend, tief, gründlich und umfassend
Bescheid.

Um diese Zeit herum, sicherlich
über Herr von Bolschwing, traf ich in
Berlin mit einem jüdischen
Funktionär (Anm. d. Red: Feivel
Polkes von der „Haganah”, dazu
Erläuterungen im Artikel rechts), der aus Palästina kam, zusammen. Ich hatte im „Haint” um jene Zeit etwas von einer „Haganah” gelesen, eine
Wehrmachtsähnliche Organisation der zionist. Juden im damaligen
Palästina.

Nachdem ich so etwas noch nie bis dahin hörte, interessierte es mich natürlich sehr, wie alles, was
Zionismus anbelangte, und so hoffte ich darüber über den eben Genannten
Besucher, der Gast des
Reichssicherheitshauptamtes war, zu hören.

Ich traf mit ihm glaublich zweimal in
Berlin zusammen und führte ihn zum
Mittagessen als mein Gast in die
„Traube” in der Nähe des
„Zoo” in Berlin. Sicherlich hat ihn auch von Bollschwingh betreut, denn ich war mit ihm ja nur insgesamt wenige
Stunden beisammen.

Als Abschluß unser
Gespräche, auf die ich mich heute nach soviel Jahren nicht mehr im einzelnen erinnern kann — wir wußten natürlich Beide, woher wir kamen —
lud er mich ein, das damalige
Palästina zu besuchen. Es war gerade um die Zeit des Referentenwechsels bei II
112, also die Zeit, wo Wisliceny ging und
Hagen kam. Jeder von beiden wollte unbedingt mitfahren.

Wisliceny pochte sicherlich auf seine längere
Erfahrung, wie es in der Tat ja auch zutraf, und Hagen hatte als Stütze den neuen Amtschef Six, seinen persönlichen Freund, hinter sich. Er machte auch das Rennen und Heydrich entschied daß Hagen und ich zu fahren hätten.

Damals gab es die erste Verstimmung zwischen Wisliceny und mir, denn sein
Groll, daß ihm dies entgangen war,
übertrug er auch auf mich, obgleich ich keinerlei Einfluß auf diese
Dinge hatte. Leider war ich es, der ihm glaublich sagte, schau, du warst ja dafür in Zürrich. Hätte ich dies nicht gesagt, dann hätte er micglaube ich, mit der Sache nicht in
Zusammenhang gebracht.

In der Tat war
Wisliceny auf sein Betreiben von Heydrich als Beobachter zum „Zionistischen
Weltkongreß” nach Zürrich geschickt worden.

Hagen erledigte nach der
Reisegenehmigung nun alls weitere. Ihm war es ja auch leicht, denn von seiner
Tätigkeit unter Six, bei der
Presseabteilung des SD-Hauptamtes, hatte er ja entsprechende Verbindungen zum deutschen Pressewesen. Das „Berliner
Tageblatt” und das deutsche
Nachrichtenbüro (DNB), das unter einem Herrn von Ritgen stand, wurde eingeschaltet, sofern z.B. das „DNB” nicht ohnhin schon über von
Bollschwinghs Verbindungen zum
DNB-Vertreter in Jerusalem, Dr.

Reichert, und dem DNB-Vertreter in Kairo, Gentz, eingeschaltet waren.Mit einer falschen
Identität — als Journalist —
bereiste Adolf Eichmann 1937
Palästina

„Dann habe ich Dr. Löwenherz eine Ohrfeige gegeben”

Zurück von einer Spionagereise
übernimmt Adolf Eichmann das Referat
„Judentum” in Wien — Fortsetzung der
Dokumentation seiner Erinnerungen (Teil
9)

Eichmanns Aufzeichnungen – Die WELT setzt heute ihre Dokumentation der
Erinnerungen Adolf Eichmanns fort. Er erhielt von dem „Haganah”-Agenten
Feivel Polkes die Einladung nach
Palästina zu fahren, daraus wird eine ausgedehnte Nahost-Reise. Nach dem
„Anschluß” Österreichs wird Eichmann nach Wien versetzt, um dort das jüdische Leben zu
„reorganisieren”. Der Text wird ohne orthografische, syntaktische oder stilistische Korrekturen abgedruckt.

Der Redakteur des „Berliner
Tageblattes”, ein SS-Standartenführer der allgemeinen SS, namens Schwarz,
übergab Hagen und mir jedem 100 engl.
Pfund, die das Reichsicherheitshauptamt vorher dem „Berliner Tageblatt”
überweisen ließ. Ich bekam einen Presseausweis und fuhr als
Schriftleiter oder Korrespondent und Hagen als Student.

Die Reise ging über Polen,
Rumänien nach Constanza. Von dort mit dem rumänischen Dampfer
„Romania” über Piräus nach
Haifa. Der Dampfer hatte hier eine ganze
Anzahl von Stunden Aufenthalt und ich fuhr, die Gelegenheit benützend mit einer Taxe auf den Berg Karmel. Mir ist so, als ob Dr. Reichert aus Jerusalem nach
Haifa kam, uns zu begrüßen, es kann aber auch sein, das ich mich nach der langen Zeit nicht mehr erinnern kann und mir es so einbilde.

Die Reise ging weiter nach Alexandrien, der Endstation der Dampferfahrt über das Mittelmeer. Hagen und ich teilten unsere Kabine mit einem jungen
Ägypter, der seine Sommerferien in
Europa verbrachte. Er hieß Henry
Lacoche (Anm. d. Red.: richtig: Henri
Arcache) oder so ähnlich, war
Präsident der jungarabischen
Rechtsanwälte und selbst Jurist, wie auch sein Vater; so glaube ich mich dessen noch zu entsinnen.

Wir waren einige Tage
Gäste der elterlichen Familie unseres
Reisegefährten, der nicht wußte, das wir Angehörige des
Reichssicherheitshauptamtes waren. In
Kairo nahmen wir Quartier in einem italienischen Pensions-Hotel und
Verbindung zum DNB-Vertreter, der seinerseits wieder die Verbindung nach dem damaligen Palästina aufnahm, nachdem uns auf dem englischen Generalkonsulat in
Kairo bedeutet wurde, das wir keine
Einreise nach Palästina bekämen.
Dr.

Reichert und der szt. (Anm.: seinerzeitige) Gast aus Palästina (Anm.: Feivel Polkes) kamen aber nach
Kairo. Gentz und die beiden Herren aus
Palästina waren nun Gäste von
Hagen und von mir und wir fuhren zum
Abendessen in das Mena-Hotel bei den
Pyramiden.

Die Einzelheiten, die da besprochen wurden, sind mir nicht mehr bekannt, mein Ziel, die zionistische
Arbeit in Palästina durch
Besichtigungen persönlich kennen zu lernen, konnte infolge der Weigerung der
Engländer nicht realisiert werden.
Ich habe zwar den Bericht, den Hagen nach der Reise schrieb, jetzt gelesen vermag aber im Augenblick die Einzelheiten auch nicht anzugeben; ich darf vorschlagen, daß diese nachträglich ergänzend eingeflochten werden.

Das Paradoxe damals war, das Hagen als
Student fuhr, aber in Wahrheit ein
„Pressemann” war; und ich, der ich als „Schriftleiter oder
Korrespondent” fuhr, davon aber keine
Ahnung hatte. Tatsächlich war Hagen gleichzeitig neben seiner
SD-Tätigkeit um jene Zeit als Student in dem auslandswissenschaftlichen Institut immatriculiert. Er verfasste auch jeweils
Artiekel für das niveaumäßig hochstehende
Monatsheft dieses Institutes, entweder für Dr.

Six oder mit seinem Namen; das weiß ich heute nicht mehr genau zu sagen. Wir besichtigten die Zeitung
„Al Ahram” oder so ähnlich in
Kairo; fuhren ein Stück in die lybische oder arabische Wüste mit dem
Wagen vom DNB-Vertreter Gentz, besichtigten das ägytologische Museum in Kairo, sowie Memphis und Sakhara und sonstige Sehenswürdigkeiten. Der
Aufenthalt dauerte etwa 14 Tage.

Kurz nach der Abfahrt aus Alexandrien erkrankte ich an Paratyphus und machte die ganze
Rückreise im Schiffslazarett mit. Mit allen möglichen Mitteln wurde ich kurz vor Bari von dem Arzt soweit wieder auf die Beine gestellt, das eine
Quarantänegefahr vermieden werden konnte und mehr tot als lebendig machte ich die Eisenbahnreise von Bari nach
Berlin durch.

In Berlin verfasste Hagen dann denn
Reisebericht zur Vorlage an den Chef des
Reichssicherheitshauptamtes und damit war die ganze Angelegenheit abgeschlossen.
Mittlerweile war es Oktober (Anm.: richtig: November) 1937 geworden. Die
Arbeit ging, wie immer, normal weiter und es gibt meiner Meinung nach nichts, was für die Restarbeit in diesem Jahre noch zu schildern von Interesse wäre.

Zum 30. Januar 1938 (Anm.: 9.11.1937) wurde ich SS-Untersturmführer; ich glaube jedenfalls, daß es so gewesen ist, es könnte sich dabei höchstens um ein Irrtum von wenigen
Wochen Zeitunterschied handeln.

Die Angelegenheit
„Österreich” wurde in den
Zeitungen immer mit mehr Interesse behandelt, die Wichtigkeit immer stärker herausgestellt. Eines Tages erging Befehl, daß eine ganze Anzahl
Angehöriger des
Reichssicherheitshauptamtes zu einem
Dreischichten-Dauerdienst zwecks
„Österreich-Vorbereitung” abgestellt werden mußten. Ich selbst war auch dabei.

Die Arbeit: von langen
Listen, die irgend eine Stelle des RSHA im
Laufe der Zeit zusammenstellte, mußten tausende von Personennamen,
Organisationen, Zeitungen und
Zeitschriften, Behörden, Schulen usw. auf besonderen Karteikarten umgeschrieben werden. Es handelte sich um eine spezielle
Karteikarte, wie ich sie vorher nie sah und passend war für die große von v. Mildenstein szt. konstruierte, hunderttausende von Karteikarten fassende
„Radkartei”.

Durch irgendeinen besonderen Mechanismus konnte man in
Blitzesschnelle jede gewünschte
Karteikarte, die entsprechend geschnitten und gelocht war, herausziehen. Einige
Angehörige schrieben diese
„Österreichkarteikarten” nun, andere schnitten und lochten, andere wiederum sortierten und alphabetisierten sie. Diese Arbeit war ohne Rücksicht auf Dienstgrad durchzuführen. Ich schnitt damal und lochte. Ein damaliger
SS-Obersturmführer Hoth, vom Amt I, beaufsichtigte das Ganze.

Der „Anschluß” kam im
März 1938, aber ich war dem Kommando, welches nach Österreich abzurücken hatte, nicht zugeteilt.
Ich war zwar sehr ärgerlich, aber schließlich war Befehl Befehl und da konnte man nichts dagegen machen. Jedoch etwa 8 Tage später bekam ich plötzlich Marschbefehl, mich beim
Leiter des SD-Oberabschnittes „Donau” in Wien zu melden.

Ich rückte also ab und bekam
Weisung, als Referent des SD-OA.
„Donau” das Referat „Judentum” zu übernehmen.

Dieses Referat bestand aus einem
Zimmer, 1 Tisch und 1 Stuhl im Rothschild
Palais in der Theresianumgasse in Wien.
Irgend ein SS-Mann einer militärischen Einheit war mir zugetellt, sonst nichts, er war bisher nur bei der Truppe gewesen.

Der Führer des SD-OA. „Donau” in Wien war ein SS-Oberf.(–)Dr. Dr. Rapp (Anm.: Dr. Dr. Otto Rasch). Unmittelbarer
Vorgesetzter von mir war ein SS-Ostuf.
Garmann (Anm.: Theo Gahrmann), der als
Abteilungsleiter gleichzeitig die
„Kirchen” bearbeitete. Dr.Dr. Rapp (Anm.: Rasch) wurde dann später als
Führer des SD-OA. „Donau” glaublich durch einen SS-Stubaf. (Anm.:
Friedrich) Polte abgelöst.

Der Staatspolizeileitstellenleiter war
Ministerialdirektor SS-Oberf. Hueber (Anm.: Franz Josef Huber), aus der bayr. polit. Polizei-München hervorgegangen. Sein ständiger
Vertreter war SS-Ostubaf. O.R. (Anm.:
Oberregierungsrat) Dr. (Anm.: Karl) Ebner.
Zum Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD wurde der Regierungsdirektor
SS-Standartenführer (später
SS-Brigf.) Dr. (Anm.: Walther) Stahlecker. (Bei Leningrad als Chef einer
Einsatzgruppe gefallen).

Dem SD-OA.
„Donau” unterstanden die
SD-Abschnitte Niederdonau, Oberdonau,
Salzburg, Kärnten, Steyrmark und
Tirol.

Ich ging also zuerst einmal zu der
österr. Sicherheitsdirektion in der
Backhausstraße, woselbst die Geheime
Staatspolizei untergebracht war, bis sie dann in ein ehemaliges Hotel am
Morzinplatz umzog. Dort wurde ich nach
Befragen an einen noch
österreichische Journalbeamtenuniform tragenden Juristen namens Dr.

Ebner verwiesen. Über ihn kam ich dann mit dem Referenten für Judenfragen bei der Stapoleit(Anm.: stelle)-Wien zusammen, auf dessen Namen ich mich jetzt aber nicht zu erinnern vermag, und erkundigte mich einmal, was in diesen nun verflossenen etwa 10-12 Tagen auf seinem Gebiet geschehen wäre. Ich hörte, daß sämtliche jüdischen
Organisationen geschlossen und versiegelt waren, deren Funktionäre und Leiter zum größten Teil bei der
Stapoleit in Haft einsaßen.

Nachdem ich nun niemanden von ihnen kannte, bat ich ihn, er möge mir doch einige dieser Funktionäre vorstellen, denn irgendwie müßte das jüd. organis. Leben wieder in Gang gesetzt werden. Derselben Meinung war auch Dr.
Ebner, so daß ich dieserhalb keine
Schwierigkeit hatte. Ich sprach mit Dr. (Anm.:Josef) Löwenherz, der bisher eine Funktion innerhalb der jüdischen
Wiener Gemeinschaft zwar hatte, aber welche, vermag ich heute nicht mehr zu sagen.

Er wurde aus der Haft vorgeführt und wir sprachen. Dabei habe ausgerechnet ich mich von einer momentanen Unbeherrschtheit des Zornes hinreißen lassen — was vordem und nachdem nie wieder vorkam — und habe Dr.
Löwenherz eine Ohrfeige gegeben.

Später, viel später, konnte ich diese mir für mich unbegreifliche
Handlungsweise immer noch nicht vergessen und habe dann im Beisein einiger meiner mir unterstellter Offiziere, selbst auch in Uniform, Dr. Löwenherz dieserhalb um Entschuldigung gebeten. Was er auch tat.

Kurz und gut, ich übergab Dr. L.
Papier und Bleistift und er sollte bis zum nächsten Tag seine Gedanken bzgl.
Reorganisation des jüdisch-organisator. Lebens, mit ungefährer Stellenbesetzung entwerfen.

„Der
Druck zum Auswandern war vorhanden”

Adolf Eichmann zwingt die jüdischeGemeinde, Wien zu verlassen
— Fortsetzung der Dokumentation (Teil
10)

Die WELT setzt ihre Dokumentation der
Erinnerungen Adolf Eichmanns fort. Nachdem er das jüdische Leben in Wien
„reorganisiert” hat, setzt Eichmann die Menschen unter Druck, um sie so zum
Auswandern zu zwingen. Der Text wird ohne orthografische, syntaktische oder stilistische Korrekturen abgedruckt.

Am nächsten Tag habe ich dieses entgegengenommen, mit Dr. Ebner und dem
Inspekteur der Sipo (Anm. die Red.:
Sicherheitspolizei) und des SD durchbesprochen und es herrschte die
Ansicht vor, daß so wie Dr. L. vorschlug, verfahren werden solle. Der
Inspekteur gab dann den diesbezüglichen Befehl dazu und Dr.
Löwenherz wurde sogleich aus der Haft entlassen.

Er verlangte dann noch seine
Utensilien, die ihm nach seiner
Verhaftung, wie üblich, deponiert wurden; er bekam sie und dann leerten sich die Zellen, in denen die Funktionäre untergebracht waren, denn Dr.
Löwenherz hatte sie bei der
Personalbesetzung vorgeschlagen.

Der Wille und der Druck zum Auswandern, beides und von allen Seiten, war vorhanden. Aber nichts war organsiert, um das Vielerlei, das zur Abwanderung notwendigerweise zu erledigen und zu erfüllen war, irgendwie in systematische Bahnen zu lenken. Es war ein
Durcheinander, den auch eine personalmäßig sehr zahlreich besetzte Israelitische Kultusgemeinde Wien nicht zu meistern vermochte, da sie ja die
Schwierigkeiten, sofem sie bei den
Behörden lagen, nicht mildern konnte.

Dr. Löwenherz, Dr. Rottenberg, ein
Herr der Agudas Jisroel und möglicherweise auch Kom. Rat (Anm.:
Kommerzialrat Bertold) Storfer kamen eines
Tages zu mir und schilderten mir dieses
Durcheinander und baten mich, irgendeine
Zentralisierung aller dieser Dinge zu
überlegen.

Ich besprach die Sache mit meinem
Vorgesetzten, dem I.d.S. Dr. Stahlecker, er griff es auch sofort auf und ging zu dem damaligen „Reichskommissar für die Wiedervereinigung
Österreichs mit dem Deutschen Reich,”
Gauleiter Bürkel (Anm.: richtig
Bürckel).

Bürkel übergab die vorgetragene Angelegenheit einem seiner Juristen und es erschien eine
Verordnung (Anm.: am 20.8.1938), derzufolge der Reichskommissar zur planmäßigen Steuerung der
Auswanderung eine „Zentralstelle für jüdische Auswanderung” mit dem Sitz in Wien einsetzte. Leiter derselben wurde der Inspekteur der Sipo und des SD, Wien, SS-Oberführer Reg.
Dir. Dr.

Stahlecker, der mich als Referent aus dem SD-OA. „Donau” herausnahm und als seinen Referenten mit der Führung der Dienststelle beauftragte. Vom SD-OA.
„Donau”, zu welchem ich nun versetzt war, wurde ich nur noch personalmäßig betraut.

Um diese Zeit bekam ich zwei
SS-Führer zugeteilt, den
SS-Hauptsturmführer Rolf Günther und seinen Bruder, den SS-Obersturmf. Hans
Günther. Einige Tage schon waren sie bei mir, aber ich hatte ja selbst keine
Arbeit und sie noch viel weniger.

Nun wurde es anders. Die einzelnen
Instanzen, die jeder auswandernde Jude ablaufen mußte, lief ich nun ab, um dadurch zu sehen, was war überhaupt notwendig. Danach meldete ich dies dem
I.d.S.u.d.SD, der dann auf die Verordnung hinweisend, von den einzelnen
Dienststellenleitern wie Finanz, Devisen
Stelle Wien, Pol. Präsidium, Geh.

Staatspolizei, usf. die Abstellung von
Beamten zur Erledigung der einschlägigen Arbeiten am Sitz der
Zentralstelle in Wien, Prinz
Eugenstraße (Rothschild Palais) zu erwirken. Die Kultusgemeinde stellte ebenfalls ein gutes Dutzend ihrer Beamten zur Zentralstelle ab und das laufende
Band, an dem die Dokumente ausgestellt wurden, die zur Auswanderung nötig waren, lief an. Es war wirklich reibungslos und Dr. Löwenherz und Dr.
Rottenberg suchten mich in der Folgezeit fast täglich auf.

Der Inhalt der
Besprechungen wurde von Dr. Löwenherz schriftlich festgehalten, wobei er eine
Ausfertigung jeweils mir übergab und eine solche zu seinen Akten legte.

Es wäre heute interessant, eine solche
Ausfertigung dieser kompletten Vermerke aus jener Zeit, die wohl einen normalen
Leitz-Ordner füllen würden, zu haben, denn all die tausend Dinge, die notwendig waren in jener Zeit in
Zusammenarbeit zwischen Zentralstelle und
Kultusgemeinde, können heute kaum noch anders rekonstruiert werden.

Ich genehmigte szt. nach vorheriger
Zustimmungseinholung beim I.d.S. laufend
Auslandsreisen der jüdischen
Funktionäre, damit
Einwanderungsmöglichkeiten und
Devisen für die Auswanderung aufgebracht werden konnten. Ein
Reichsbankrat Wolf, Leiter der
Devisenstelle Wien, setzte auf Vorschlag durch, daß diese aufgebrachten
Devisen von der „Anbietungspflicht” befreit wurden und der israelit.

Kultusgemeinde zum Verkauf an auswandernde
Juden zu einem von der Kultusgmeinde festgesetzten Kurs, unter Aufsicht der
Devisenstelle Wien verblieben. So kam es, daß diese Devisen oft zu einem
Mehrfachen des normalen Kurswertes verkauft wurden, was eine Zeitlang zu unangenehmen Korrespondenzen und
Verhandlungen mit Berlin führte, man wollte hierin eine teorethische Abwertung
Abwertung der Reichsmark erblicken.

Doch auch dies konnte bereinigt werden und es verblieb beim bisherigen
Verfahren.

Außer den jüdischen und nichtjüdischen Beamten, die an der
Zentralstelle ihren Dienst versahen, und deren Namen ich heute nicht mehr weiß, bekam ich um jene Zeit, teils durch freiwillige Meldung, teils durch
Überstellung vom SD laufend das notwendige Personal. Mein ständiger
Vertreter war der schon genannte
SS-Hptstuf.

Rolf Günther, irgend ein
Sachgebiet führte sein Bruder
SS-Ostuf Hans Günther; weitere
Sachgebiete hatten inne: die späteren
SS-Hptstuf. (Anm.: Franz) Nowak (Anm:
Novak) u. Brunner (Anm.: Alois), die späteren SS-Ostuf. (Anm.: Anton)
Burger, (Anm.: Franz) Stuschka und
Hrosineck, der spätere SS-Ustuf.
Martin, ein Zivilangestellter (Anm.:
Anton) Brunner (Hans–), eine Hauswache von 4-6 Mann, ein Kraftfahrer und
Schreibpersonal.

In relativ kurzer Zeit (Anm.: bis Mai 1939) wanderten damals 100
000 Juden aus Österreich aus. Das
Dokumentebesorgen spielte, zeitlich gesehen, kaum noch eine Rolle. Ich habe in
Erinnerung, daß wohl insgesamt
über 200 000 Juden über die
„Zentralstelle für jüdische
Auswanderung” ihre Papiere beantragten (Anm.: Im März 1938 gab es ca. 206
000 Juden in Österreich; rund 147 000
davon gelang die „Auswanderung”).

SS-Standartenführer Dr. Six mit
Hagen besichtigten die Dienststelle, genau so, wie der Chef der Sicherheitspolizei und des SD, Heydrich; auch Reichskommissar
Bürkel, sowie der Ministerialdirigent des Reichsministeriums für
Volksaufklärung und Propaganda,
SS-Gruf. (Anm.: Hans) Hinkel mit seinem
SS-Staf Owens und SS-Hptstuf. Reg. Rat
Kwiatkowsky.

Ein Dr. Erich Rajakowitsch,
Rechtsanwalt in Wien, war ehrenamtlicher
Mitarbeiter, die sich auf reine praktisch-juristische Beratung beschränkte. Sein Hauptverdienst in jener Zeit war die Anregung zur
Gründung eines
„Auswanderungsfonds”, eine
öffentlich rechtliche
Körperschaft, deren
Dienstaufsichtsbehörde der I. d. S. u. d. S. war. Die diesbezügliche von
Dr.

Rajakowitsch entworfene Verordnung wurde ebenfalls im wesentlichen vom
Reichskommissar Bürkel übemommen und ergänzt und von ihm unterschrieben und veröffentlicht, genauso, wie vordem bei der Zentralstelle.
Der Fondsleiter war der
SS-Sturmbannführer der allgem. SS und
Generaldirektor des Wiener Kaufhauses
„Gerngroß”, (Anm.: Fritz)
Kraus.

Prüfungsorgane des Fonds waren
Beamte des „Reichsrechnungshofes”.
Irgend wie ist mir in Erinnerung, daß später der Fond, genauso wie der später in Prag errichtete
Fond zu irgendeinem Zeitpunkt dem Chef der
Sicherheitspolizei u.d.SD, Heydrich, unterstand. Warum, wessentwegen und durch welche Veranlassung, vermag ich heute nicht mehr zu sagen.

Heydrich selbst war ungeheuer stolz auf diese Zentralstelle, die er als ein kleines „Ministerpräsidium” bezeichnete, weil erstmals in der deutschen Verwaltungsgeschichte, die verschiedenen Zentralinstanzen unter
Leitung eines Polizeiministers tätig waren.

Im Herbst 1938 war dann die
Einverleibung „Sudetendeutscher
Randgebiete” fällig. Ich ging auf
Befehl des I. d. S. u. d. SD Dr.
Stahlecker auf 14 Tage nach Znaim; davon verbrachte ich aber etwa eine Woche wartend mit dem Kommando, dem ich angehörte, in Mistelbach, Nied.
Österreich. Denn in München war noch die
„Staatsmännerbesprechung” nicht vorbei. Teile des Kommandos wurden zu
Sicherungszwecken kurz nach München geworfen, auch ich war dabei.

Als ich dann an einem Sonntag im Herbst
1938 in Znaim ankam, hatte ich keine
Arbeit mehr, denn Juden zum Auswandern gab es nicht, die relativ wenigen, welche dort gewesen sein mögen, waren in der
Zwischenzeit in den czechisch-mähr.
Raum aus eigenen Antrieb abgezogen.

Die
Slowakei wurde selbstständig (Anm.: am 14. 3. 1939) und alsbald muß
Wisliceny, der mit der „Hlinka-Garde” irgendwie in Verbindung stand,
Fühlung damit aufgenommen haben, denn um die Zeit der
Selbstständigkeitsmachung der
Slowakei war in Wien in den Räumen der Wiener Burg der Filmball unter dem
Protektorat des “Reichskulturwalters,
Ministrialdirigent im Reichsministerium f.
Volksaufklärung und Propaganda,
SS-Gruppenführer Hinkel”.

Er hatte die Parteimitgliedsnummer der N.S.D.A.P.
9. Er gab mir damals sein Buch „Einer unter 100 000″ zum Geschenk, genauer gesagt, sein Regierungs Rat, SS-Hauptstuf.
Kwiatkowsky übergab es mir, daher meine genaue Kenntnis der Mitgliedsnummer
Hinkels. Auf diesem besagten Filmball war sowohl ich als auch Wisliceny zugegen.
Ebenfalls war dort eine Abordnung aus der
Slowakei, mit der Wisliceny engstens in
Fühlung war.

Im März 1939 erfolgte die
Besetzung von Böhmen und Mähren, dem die Bildung des „Protektorates
Böhmen und Mähren” folgte.

Reichsprotektor war der frühere
Reichsaussenminister Konstantin Freiherr von Neurath, Sein Staatssekretär ein
Egerländer, der SS-Gruppenführer
K.H. (Anm.: Karl Hermann) Frank, früherer Beruf Lehrer und Inhaber einer Buchhandlung. So sagte mir einmal
Hans Günther.

Zum Befehlshaber der Sipo u. des SD wurde der zum SS-Oberführer beförderte Reg. Dir. Dr. Stahlecker, bisher I. d. S. u. d. SD Wien, bestellt, und Leiter der Staatspolizeileitstelle in
Prag wurde SS-Standartenführer
Dr.(Anm.: Hans) Geschke.

Der Leiter des. SD-OA -Prag war
SS-Sturmbannführer Dr. (Anm.: Ernst)
Weimann. Der SD-OA. war in einem
Gebäude am „Baumgarten” (–), die Staatspolizeileitstelle und des B. d.
S. im sogenannten
„Petschek-Gebäude” untergebracht.

Ich erhielt alsbald meine Kommandierung und spätere Versetzung als Referent zum B. d. S. Prag.

Der B. d. S. Prag — Dr. Stahlecker praktizierte nun beim
„Reichsprotektor für Böhmen und Mähren” das gleiche wie szt. in
Wien und setzte mich mit der Führung der Zentralstelle für jüdische
Auswanderung-Prag betraut, als seinen
Referenten ein. SS-Ostuf. Hans
Günther wurde als mein ständer
Vertreter ebenfalls nach Prag versetzt, sowie die bisher in Wien Diensttuenden
Novak, Burger, Anton Brunner und sicherlich einige andere, deren Namen mir entfallen sind.

Statt meiner wurde
SS-Hauptstuf. Rolf Günther vom nunmehrigen B. d. S. Wien (gleichzeitig
Stapoleitstellenleiter) Hueber (Anm.:
Huber) als sein Referent mit der
Führung der Wiener Zentralstelle beauftragt.

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