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[Verbatim trial transcripts | David
Irving’s “Radical’s Diary” für Jan.: 28
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, Feuilleton, 2. März
2000
Warum Michael Naumann einen Brief an David Irving schrieb
LONDON, 1. März
Im Gerichtssaal 73 hatte man gespannt auf den Videofilm gewartet, der „den ganzen Mister Irving” im Kreise deutscher Neonazis zeigen sollte. Doch der Richter hatte wenig Lust auf eineinhalb Stunden Neonazi-Gegröle ohne Übersetzung und Untertitel. Irving selbst ficht diese Aufnahmen heftig an; Sie seien geschnitten, die
Ausschnitte seiner Reden aus dem Zusammenhang gerissen.
Nach den Stellen, die schließlich zu sehen waren, hatte man allerdings wenig Bedürfnis nach dem Rest.
„Da ist diese Einmann-Gaskammer”, schrie er Fahnen schwenkenden Glatzköpfen und Alt-Nazis entgegen,
„die zwei deutsche Soldaten in der polnischen
Landschaft herumtragen auf der Suche nach einzelnen Juden.”
[sic. Polen]. “Die
Einmann-Gaskammer muss ausgesehen haben wie ein Sedan-Stuhl, aber getarnt als Telefonzelle.
Wie haben sie das Opfer dazu gebracht, freiwillig in die Gaskammer zu steigen? Offenbar war ein Telefon drin, das klingelte, und der Soldat sagte:
Das für Sie!”
Ansonsten wurde das Band im Schnellsuchlauf abgespielt und nur angehalten, damit Gutachter Hajo Funke auf einzelne
Prominente der “Szene” aufmerksam machen konnte.
Sosehr sich
David Irving vor Gericht wehrt, sosehr er behauptet, die Leute zum Teil gar nicht zu kennen, sie nie bewusst gesehen, ihre Reden nicht gelauscht zu haben: Er befand sich in einschlägiger Umgebung, nicht einmal, sondern viele
Male: Michael Kühnen, Gottfried Küssel, Ewald
Althans, Ernst Zündel, Christian und Ursula
Worch, um einige der Jungen, Otto-Ernst Remer
([links] ein Held dieser Leute, weil er den Aufstand
vom 20. Juli 1944 niedergeschlagen hat), Wilhelm
Steglich [sic],
Günther Deckert, der französische
Holocaust-Leugner Robert Faurisson, um die
Älteren zu nennen. Sie alle marschierten auf den gleichen Demonstrationen, nahmen an den gleichen
Veranstaltungen teil. Doch der Geisterbahneffekt, den die
Verteidigung mit diesen Filmausschnitten wohl beabsichtigt hatte, wurde im Schnellsuchlauf und ohne englische
Übersetzung nicht erzielt.
Die Überraschungen lagen an diesem Tag anderswo. Zum einen führte Irving zu seiner Ehrenrettung an, einen
,,berühmten linksintellektuellen Theaterdichter” aus
Deutschland zu seinen „intimen Freunden” zu zählen: Rolf Hochhuth, mit dem er intensiv korrespondiere. Funke, der an diesem Tag als Auskunftgeber für alles Deutsche fungieren müsse, bestätigte dem Richter, dass Hochhuth ein Theaterautor sei.
Weder wollte er ihn als linksintellektuell bezeichnen, noch habe er die „fünftausend Stuck” Korrespondenz gesehen, als er seine Forschungen über Irvings
Verbindungen zu deutschen Rechtsradikalen betrieb.
Die zweite Überraschung ist ein Brief von 1985, weit hinten in einem Päckchen Unterlagen, das Irving einigen
Journalisten überreicht hat.
„Sehr geehrter Herr
Irving”, heißt es da. „Herr Hochhuth hat mich
darauf hingewiesen, dass eine Churchill-Biographie
aus ihrer Feder vom Verlag Kiepenheuer und Witsch
abgewiesen, worden ist. Ich bin lebhaft an dem Manuskript
interessiert und wurde mich freuen, es bei Gelegenheit
lesen zu dürfen — Ihr Interesse an einer
Publikation im Rowohlt Verlag vorausgesetzt. Mit
herzlichen Grüßen, Dr. Michael
Naumann”.
Es ist nicht untypisch, dass Irving im Gerichtssaal bloß diesen Brief verteilt, so als ob Naumann einfach ein Fan seiner Bücher wäre. Dabei mündete das freundliche Anbahnungsgespräch zehn Jahre später in einen, ganz unfreundlichen Rechtsstreit. Naumann hatte zwar mit Irving noch einen Vertrag über die zweibändige Churchill-Biographie abgeschlossen und einen sechsstelligen Vorschuss bezahlt.
Zur Publikation kam es jedoch nicht, weil wie Michael Naumann dieser Zeitung sagte, Irving den zweiten Manuskriptteil nicht termingerecht abgeliefert harte und „und inzwischen seine braune
Unterseite klargeworden war”. Rowohlt prozessierte um die
Rückzahlung des Vorschusses. Irving erklärte sich bankrott. Schließlich wurde er 1995 zwei
Wochen in das Londoner Gefängnis Pentonville gesteckt: “Wie in dunkelster viktorianischer Zeit”, kommentierte er gekränkt.
Die dritte Überraschung schließlich sind die
Eichmann-Memoiren, die Israel nun dem Prozess zur Verfügung gestellt hat (F.A.Z. vom 29. Februar). Sie waren bisher nicht zugänglich, und niemand weiß, wie sie dem Prozess nützen sollen. Es ist auch völlig unklar, warum so viele Geheimnisse hineingedeutet worden waren. Jedenfalls sind sie jetzt genau dort gelandet, wo man sie wohl am wenigsten haben wollte.
Mit zwei Fingern hielt Richard Rampton eine schwarze Diskette in die Höhe, und seine stoffreiche
Robe bauschte sich. Er wolle Irving die Diskette nur geben, wenn dieser verspreche, das Material nicht auf seine
Internetseite zu laden. Irving versuchte einen Ausfall:
Alles, was vor Gericht besprochen werde, sei automatisch im
Besitz der Öffentlichkeit. Dem widersprach Rampton heftig. Diese neuen Eichmann-Memoiren seien noch nicht Teil des Verfahrens gewesen.
Der Richter folgte ihm. Irving musste sein Versprechen geben. Rampton reichte die Diskette langsam seinem Junior, Miss Heather Rogers. Miss
Rogers nahm sie ebenfalls mir zwei Fingern, steckte den Attn nach rechts und wandte den Kopf nach links, nicht ohne noch ein bisschen die Mundwinkel zu verziehen. Mit einem großen Schritt war Irving bei ihr und trug die kleine
Diskette an sein Pult zurück.
Für diesen Liebhaber von Original-Nazischriften muss es ein schöner
Augenblick gewesen sein. EVA MENASSE.
Auf diesen Aufsatz hin hat David Irving
- einen
Leserbrief
an die Zeitung - einen
Brief an die junge Journalistin Eva
Menasse folgenden Inhalts
geschrieben:
.
. . die beiden letzten Aufsätze waren besonders infam, sogar verlogen. Die Transcripts werden das schon beweisen, und hoffentlich bekommt deine Zeitung auch was von befreundeter Seite deswegen zu hören! Der Richter hatte schon akzeptiert, dass absolut keine Beweise vorliegen für Kontakte mit Kühnen,
Küssel, und ähnlichen Radikalen.
Weshalb hast du die gleichen Lügen wiederholt?
Das war besonders böse.
Wenn Kulturminister Michael Naumann
behauptet, ich habe bankrott gemacht, so ist das auch eine Lüge: bankrott habe ich nie im Leben gemacht. Sein Verlag hat das Buch nicht gedruckt, weil die Belegschaft mit dem Streik drohte (frag mal Herrn Dr Herbert Fleissner vom
Langenmüller Verlag: der weiss ganz genau
über die Hintergründe bescheid). Die
Einweisung ins Londoner Gefängnis war wegen
Verletzung der Gerichtsehre. (Contempt of Court).
Warum lässt du dich auf dieser Weise anlügen? Ich habe dir ja die entsprechende
Webseite mitgeilt.
Ich bräuchte dir eigentlich unter diesen
Umständen garnicht zu mitzuteilen, dass (a) Montag der letzte Verhandlungstag ist, nur
2 Stunden ganz früh; (b) Schluss dann bis
13. März, Schlussplädoyers. Versuch mal dieses Mal ehrlich zu berichten.
Website fact: The
Durchhaltevermögen of the defence team is aided by a five million dollar fund provided by the
American Jewish Committee, which enables them to pay the “experts” Evans, Longerich, etc., £750
(DM2500) per day (while the defence’s star legal team is paid considerably more). Nobody is paying for Mr Irving, who has been fighting this
Existenzkampf for three whole years.
[Help]
Frankfurt, den 2. März 2000
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