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Letters to David
Irving on this Website


Documents on the Nazi concentration camp at Buchenwald, near
Weimar, from the collection of David Irving

Aus der Vorstellung heraus, Mauthausen erlebt und überlebt zu haben, konstruierte sie sich Erinnerungen, die mit der
Realität ihrer Erfahrungen im Lager gar nicht
übereinstimmen …

Die Presse Vienna, January 5, 2007

Erinnerungsfehler:

Falsche Zahlen aus dem
KZ

VON ROMAN SANDGRUBER Die Presse

DAS österreichische Verbotsgesetz stellt im § 3 die Leugnung des Holocaust unter Strafe. Ob es sinnvoll ist, einer verschwindend kleinen Minderheit von
Unverbesserlichen so viel
Aufmerksamkeit zu widmen, mag dahingestellt sein.

Es gibt jedenfalls gute Gründe dafür. Der
Umstand der strafrechtlichen Sanktionierung gebietet aber, dass Österreich selber sehr sorgfältig mit Aussagen zum Holocaust umgeht und den Leugnern nicht den geringsten Vorwand liefert, es würde irgendwo mit falschen Daten operiert.

Gerade das aber geschieht mit einer Broschüre des
Innenministeriums: mit der in der Reihe der
“Mauthausen-Erinnerungen” als 1. Band herausgebrachten
Autobiografie von Clare Parker.

Die 1932 in Budapest als Klara Hochhauser
geborene Clare Parker war gemeinsam mit ihrer Mutter
Magda zunächst ins KZ Auschwitz deportiert und Ende Oktober 1944 mit insgesamt 577
jüdischen Frauen in das Mauthausener
Frauen-Außenlager Lenzing/Pettighofen
überstellt worden. Sie war 13 Jahre alt.

In einem fensterlosen Waggon von Auschwitz nach
Oberösterreich transportiert, wusste sie nicht, wo sie sich befand, und glaubte bis ins hohe Alter, als sie begann, ihre Erinnerungen niederzuschreiben, in
Mauthausen gewesen zu sein.

Aus der Vorstellung heraus, Mauthausen erlebt und
überlebt zu haben, konstruierte sie sich
Erinnerungen, die mit der Realität ihrer Erfahrungen im Lager nur mehr bruchstückartig oder gar nicht
übereinstimmen, vor allem, was die Todesraten in
Lenzing/Pettighofen betrifft.

“Es
verging aber kein Tag, an dem nicht etliche Gefangene
fehlten, wenn wir ins Lager zurückkehrten. Die
Zahl der Gefangenen verringerte sich rapide”, schreibt
Clare Parker: “Mit jedem Mal waren wir deutlich
weniger. Auch beim Zählappell wurden immer mehr
Nummern ausgelassen
[ . . . ]
Schließlich waren wir nur noch so wenige, dass
die Zählappelle eingestellt und nur mehr die
aufgerufen wurden, die zur Arbeit gingen.

Von den
ursprünglich mehreren hundert Frauen waren noch
ungefähr zwanzig
übrig . . . “

Dass von den 577 Häftlingen in Lenzing/
Pettighofen nur etwa 20 überlebt hätten, widerspricht den tatsächlichen Gegebenheiten im
Lager diametral. Tatsächlich gab es in
Lenzing/Pettighofen zwar schreckliche Schikanen, aber
nur neun Todesopfer, auch wenn diese durch nichts zu rechtfertigen sind.

Aber es macht schon einen
Unterschied, ob die Todesrate bei 577 Lagerinsassen mit mehr als 95% angegeben wird oder 1,6% betrug, wie durch alle dazu vorliegenden Forschungen bestätigt wird.

Clare Parker ist kein Vorwurf zu machen. Das sind die traumatisierten Erinnerungen eines damaligen Kindes.
Bertrand Perz hat in einem anderen Fall, der ebenfalls Mauthausen betrifft, zu Recht die Frage gestellt:

“Kann
man von in der Kindheit traumatisierten Menschen
erwarten, dass sie einen autobiografischen Text
verfassen, in dem keine erheblichen Differenzen
zwischen Erlebtem und Erzähltem zu finden
sind?”

Nicht nur aus Gründen der historisch-wissenschaftlichen Korrektheit, sondern auch, um dem obskuren Häufchen der
Holocaust-Leugner keine Angriffspunkte zu liefern und auch keine Schieflage zwischen amtlich und wissenschaftlich abgesegneten Erinnerungen, die grob von den Tatsachen abweichen, und gerichtlich verfolgten
Leugnern herzustellen, gebietet sich für eine ministerielle Veröffentlichung ein allen Regeln der historischen Quellenkritik unterworfener Umgang mit den
Texten, auch wenn man

vorgibt, dass sie besonders für die Jugend bestimmt seien und daher nicht wissenschaftlich intendiert seien.

Dr. Roman Sandgruber ist Professor
für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der
Universität Linz und korrespondierendes Mitglied
der philosophisch-historischen Klasse der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

©Focal
Point
2007 write
to David Irving