⚠️ Historical Documentation Notice
This document is part of a historical archive and is presented for scholarly research and educational purposes.
The content reflects historical perspectives and should be understood within its historical context.
Neues
Deutschland
Berlin, April 15, 2000
[ND was the former Central Organ of the Communist Party in Soviet East Germany]
Verdiente
Niederlage für einen Holocaust-Leugner
IN
dieser Woche ging ein bemerkenswerter Prozess
zu Ende. Der als Holocaust-Leugner bekannte Autor
David Irving verlor eine von ihm selbst
angestrengte Klage
gegen die Historikerin Deborah Lipstadt. Das
Verfahren hat Signalwirkung in der internatonalen
Rechtsextremistenszene. Peter Nowak sprach mit dem
Berliner Politologen Hajo Funke, der als Gutachter
der Verteidigung an dem Verfahren beteiligt war.Von Hajo
Funke und Thomas Shelton-Robinson erscheint im
Juni 2000 in der Schriftenreihe Politik und Kultur im
arabischen Buch-Verlag Berlin
David
Irving. Eine Karriere im braunen
Netz.
Ein Prozess mit
Signalwirkung in der rechten Szene
Frage:
Sie haben als Experte im Verleumdungsprozess ausgesagt, den der Holocaustleugner David Irving in London führte.
Worum ging es bei dem Verfahren?
Hajo
Funke: Es handelt sich um einen
Verleumdungsprozess, der von David Irving gegen die
US-amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt und den
Verlag Penguin eingeleitet wurde. Irving sei einer der gefährlichsten Holocaustleugner und kooperiere mit
Rechtsextremisten, schrieb Lipstadt unter Anderem in ihrem
1993 in den USA erschienen Buch
“Denying the Holocaust”.
Irving begründete seine 1997
[richtig: September
1996] eingereichte Klage mit der Behauptung, dass seine wissenschaftliche Reputation wegen dieses Buches
Schaden nehme. Irving hat öfter gegen seine Kritiker geklagt. Bisher einige man sich in der Regel einen Vergleich und Irving verdiente damit eine Menge Geld. Doch Frau
Lipstadt war zu einem solchen Kompromiß nicht bereit.
Der Prozess war sinnvoll, obwohl die Gefahr bestand, dass man quasi von gleich zu gleich kommuniziert und Irving damit aufwertet. Das englische Verleumdungsrecht verlangt, dass man in der Sache argumentiert. Daher bestand die
Verteidigungsstrategie darin, sich in der Sache einzulassen.
Frage:
Wie ist der Prozess verlaufen?
Hajo
Funke: Der Prozess hat am 11.Januar mit der
Einvernahme beider Kontrahenten begonnen. Danach erfolgte die Einvernahme der Experten beider Seiten. Auf Seiten
Irving trat ein Experte für psychobiologische Studien auf, der mit eindeutig rassistischen Implikationen hantierte.
Auf Seiten der Verteidigung sprach der Historiker
Robert van Pelt zur Geschichte von Auschwitz, sowie die bekannten Holocaust-Forscher Christopher
Browning und Peter Longside
[richtig: Longerich].
Richard Evans vertrat auf über
700 Seiten die Hauptthese der Verteidigung, Irving verdiene nicht den Status eines Historikers, weil er
Dokumente bewußt verfälscht, falsch interpretiert oder negiert.
Beispielhaft stehen da die Vorgänge um die Reichspogromnacht am 9.11.1938. Alles was seiner These nutzt, verwendet Irving. Alles andere, wird konsequent negiert. Irvings These lautet in dem Zusammenhang: Adolf
Hitler habe von der Reichspogromnacht erst nachträglich erfahren und sich dann sofort dagegen gewandt. Das ist eine doppelt falsche These, die Evans mit neuesten
Forschungsergebnissen widerlegt. So konnte die Verteidigung sehr kenntnisreich Irving in die Parade fahren.
Irving darf nicht unterschätzt werden darf. Er verfügt in gewissen Bereichen über eine grosse
Detailkenntnis, mit der er gelegentlich sogar die Fachwelt verblüffte. Außerdem betätigt er sich gelegentlich als “Trüffelschwein”, der in Dokumenten bei Hitlers
Adjutanten oder deren Witwen, also in Kreisen zu denen er gute Kontakte hat, fündig wird. Daher war die genaueste
Vorbereitung auf die Verteidigung auch so wichtig.
Frage:
Wie war die Reaktion von Irving, als er mit diesem umfangreichen Material konfrontiert wurde?
Hajo
Funke: Es gab während der Verhandlungen
Phasen, da schien Irving in die Knie zu gehen. Da kam sogar mal das Wort Holocaust über seine Lippen, was er ansonsten strikt ablehnt. In Pausengesprächen erklärte er , wenn ich sage, in Treblinka haben
Massenmorde stattgefunden, gewinne ich. Einem Gutachter
[Pelt] erklärte er: Zeigen Sie mir die Einschüttlöcher für das Zyklon B und ich gebe sofort auf.
Allerdings war er dann nicht bereit, die von der Verteidigung vorgelegten Beweise zu akzeptieren. So war es im ganzen Prozess. Im Zweifel wirkt er einen Moment lang angeschlagen, aber nach der Pause präsentiert er sich wieder als fanatischer Verfechter der These, dass der Holocaust nicht stattgefunden hat.
Schließlich macht er die “jüdische
Weltverschwörung” für alles verantwortlich.
Dahinter steckt ein kruder Antisemitismus von Irving.
In seiner Abschlußrede hat er wieder an seinen Stand von
1977 angeknüpft, dass Hitler vom Holocaust nichts gewußt habe.
Frage:
Handelt es sich bei dem ganzen Verfahren um mehr als den verzweifelten Versuch eines alternden Rechtsextremisten sich als Opfer darzustellen?
H.F.: Neben seinem Wunsch als seriöser Historiker zu gelten ist Irvings Identifikation mit dem
Nationalsozialismus wichtig. Er hat seine Historikerrolle ganz in den Dienst der politischen Sache gestellt.
Er hat schon in den 50er Jahren mit den Ideen des englischen
Faschistenführer Mosley sympathisiert, rechnete die in seinen Büchern die Zahlen der bei den alliierten
Bombardements in Dresden
Getöteten gigantisch hoch, bestritt die Echtheit des
Tagebuchs der Anne
Frank, bevor er sich als Holocaust-Leugner betätigte. Er trat als Referent bei der rechtsextremen
Deutschen Volksunion (DVU) in Passau ebenso auf, wie bei der Gesellschaft für freie
Publizistik.
Später schwenkte er zu den offenen
Neonazis über. So hatte
[er] Kontakte zu dem
Hamburger Neonazipaar Christian und Uschi
Worch und hielt heftig bejubelte Vorträge zur
Zukunft der deutschen Jugend vor beiden Flügeln der nach dem Tod von Michael Kühnen zerstrittenen
Nazigruppen. Auch in Kanada, Spanien und verschiedenen westeuropäischen Ländern trat er als vor rechten
Publikum auf.
Frage:
Gibt es von der rechten Szene Reaktionen auf den
Prozess?
Hajo
Funke: Es gibt eine sehr intensive Kommunikation im Internet unter dem Titel “International
Campaign for Real History”. Dort wird täglich
über den aktuellen Stand des Verfahrens berichtet, teilweise werden Prozessprotokolle ins Netz gestellt. Von dort bekommt er auch Materialien
über die Prozessbeteiligten. So wollte er Material gegen mich in den Prozess einführen, wurde aber davon abgebracht.
Nicht zu vergessen, die finanzielle Unterstützung, die er von seinen Gesinnungsgenossen bekommt.
Auch im Zuschauerraum findet sich immer eine kleine
Gruppe seiner Anhänger und Mitarbeiter ein. Aber die
Mehrheit der Zuschauer kommt aus den Kreisen der Naziopfer und Überlebenden des NS-Terrors.
Frage:
Als Folge des Irving-Prozesses wurden die jahrzehntelang von der israelischen Regierung unter Verschluß gehaltenen
Eichmann-Memoiren unter dem Titel “Götzen” veröffentlicht. Haben sie den Prozess beeinflußt?
Hajo
Funke: Die Eichmann-Memoiren spielten im Prozess
überhaupt keine Rolle, weil sie im Verfahren nicht verwandt wurden. Die Verteidigung hat davon Abstand genommen, weil es genügend Eichmann-Dokumente gibt, die
Irving jedoch größtenteils ignoriert hat.
Ich begrüsse allerdings die Veröffentlichung der Memoiren, weil sie gut die mentale Struktur von
Eichmanns Denkens und seine Unterwürfigkeit beschreiben.
Frage:
Was bedeutet das Urteil für Irving?
Hajo
Funke: Irvings Verleumdungsklage in allen Punkten abgewiesen wird. [*]
Die Verteidigung hat sehr gute Arbeit geleistet. Für
Irving hat eine Niederlage keine strafrechtlichen
Konsequenzen, allerdings einschneidende materielle Folgen, weil er dann die hohen Prozesskosten bezahlen müßte. Jedes andere Urteil wäre eine enorme
Ermutigung nicht nur für Irving sondern auch für die internationale Rechtsextremistenszene gewesen.
Interview: Peter Nowak
[Website comment: Judge
Gray found that Lipstadt had in fact libelled
Mr Irving in four of the points stated in his Claim, but he dealt with them under Section 5 of the Defamation
Act.]
April 15, 2000
Website fact: The stamina of the defence team in the Lipstadt libel action was aided by a six million dollar slushfund provided by Steven Spielberg, Edgar
J Bronfman, and the American Jewish Committee, which enabled them to pay 21 lawyers and “experts”. A million pound lollipop was figuratively brandished from the defence lawyers’ table throughout the trial, and all those who behaved got a lick at it; their experts like the “scholars”
Prof. Evans, Prof.
Longerich and others were paid up to
£125,000 each (on top of the academic salaries they continued to draw) to testify as they did. Nobody was paying for Mr Irving. His witnesses testified without payment, from conviction. [Help!]
| |