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Historical Documentation Notice

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ON FEBRUARY 5, 1995
WESTDEUTSCHER RUNDFUNK broadcast this interview with famed Auschwitz survivor “Rudolf
Vrba
“.


ONTAG letzter Woche, 27. Januar [1995]. Tag der Befreiung von Auschwitz. In der
Berliner Landespolizeischule ist der ehemalige jüdische
Häftling Rudolf Vrba zu Gast, ein Augenzeuge des
Massenmordes.

Rudolf Vrba: “Ich war in Auschwitz vom Juni ’42 bis April
’44. Und dann bin ich geflohen von Auschwitz. Also, im ganzen und großen war ich dort 21 Monate und 7 Tage.
Und bei dieser Gelegenheit will ich Euch etwas sagen, eins: was ich dort gesehen habe und zwei: was ich darüber denke.”

Rudolf Vrba hatte mitgezählt. Bis zu seiner Flucht aus der Todesfabrik Auschwitz-Birkenau kam er auf eindreiviertel Millionen Ermordeter.

Rudolf Vrba: “Ich war in diesem sogenannten
Aufräumungskommando, das sollte aufräumen oder helfen bei diesen Transporten, welche jeden Tag angekommen sind. Bevor sie uns zur Rampe gebracht haben, da haben sie schon dem Kapo gesagt, es kommt ein Transport mit 2.500.

Es war mir möglich, zu beobachten die allgemeine Zahl der
Opfer – entweder bei direkter Beobachtung ihrer Ankunft oder bei direkter Beobachtung – ich habe, wenn ich schon nicht in
Aufräumungskommando war, sondern als Blockschreiber, dann war mein Block direkt beim Haupteingang zu Birkenau.
Jedes Auto, jeder Lastwagen, der in die Gaskammer gefahren ist, mußte vor meinen Augen vorbeifahren.

Und ich wußte von der Praxis, die ich auf der Rampe verbracht habe, daß die Lastkraftwagen, die die Leute in die Gaskammer fuhren, immer 100 Seelen haben, so war die
Praxis. Also, z. B. wenn um zwei Uhr in der Früh an meinem Block sechs Lastkraftwagen vorbeirasten ins
Krematorium, ich wußte, dies waren 600 Leute.”

Polizeischüler: “Mich würde interessieren, was für Gefühle so auf Sie eingestürzt sind, als
Sie wieder nach Deutschland zurückgekommen sind, weil ich kann mir vorstellen, ich hätte nicht den Mut dazu gehabt, nach Deutschland nochmal zu kommen, in das Land, was mir soviel angetan hat.”

Rudolf
Vrba: “Eine sehr komplizierte Frage. Was wollen Sie? Wissen
Sie: Gefühle. Ich bin nicht ein Mensch, der
Gefühle beschreibt. Dazu haben Sie Dostojewski
und den Heinrich Böll und den Thomas
Mann
. Ich bin bloß ein Wissenschaftler. Fragen Sie mich Tatsachen, nicht über Gefühle.”

Als Häftling war Rudolf Vrba zunächst beim
Aufräumungskommando eingeteilt. Das hieß: Tag und
Nacht die zurückgelassenen Koffer der Deportierten auspacken und sortieren. Dabei beobachtete er: jeder in der
Wachmannschaft, vom Kommandanten bis zum letzten
Unterscharführer, hat gestohlen, soviel er konnte. Vor allem Geld und Gold.

Was die Deportierten sonst mitgebracht hatten, mußten Rudolf Vrba in die leeren
Güterzüge verladen, an deren Türen stand, wohin die “Beute” ging: ins Reich, zum Winterhilfswerk.

Rudolf Vrba: “Da war ein Kapo, ein deutscher Kapo, der hieß Jupp. Ich weiß nicht seinen anderen Namen.
Es war ein Berliner, nicht ein Jude. Es war ein
Gewerkschaftler. Er war schon jahrelang im
Konzentrationslager. Und mit dem habe ich gesprochen. Ich habe ihn gefragt, was machst Du denn da mit diesen 100
Häftlingen, mit Theodoliten usw. Und da hat er gesagt, wir machen – aber das ist ein Geheimnis – wir machen eine neue Rampe.

Und diese neue Rampe ist bestimmt für die ungarischen Juden, aber sag’s niemandem. Die würden mich deshalb ermorden.”

Vrba erkannte,
daß das Mordtempo drastisch erhöht werden
sollte. Unter dramatischen Umständen gelang ihm am
7. April ’44 die Flucht, gemeinsam mit Alfred
Wetzler
. Zwölf Tage später geben beide dem
slowakischen Judenrat ihr Wissen zu Protokoll, in der
Absicht, die Welt aufzurütteln.

Rudolf Vrba: “Und so wurde der Report geschrieben in der
Hoffnung, daß ein jeder, der zur Deportation bestimmt ist, wird zuerst wissen, daß die Deportation klar dasselbe ist wie Exekution.”

Im
Mai ’44 begann die Deportation aus Ungarn: 20.000 Menschen täglich. Der ungarische Judenrat, der Vrbas Bericht kannte, warnte die Menschen nicht. Als Gegenleistung hatte
Adolf Eichmann die Rettung von 1.800 Freunden und
Verwandten zugesichert. Die Deportierten waren froh, dem
Terror der ungarischen Polizei zu entkommen. Sie glaubten, sie würden umgesiedelt.”

Rudolf Vrba: “Also, sie wurden betrogen. Und ich dachte, daß die Enthüllung des Betruges den ganzen
Prozeß des Judenmordes vielleicht nicht einstellen kann, aber verlangsamen kann. Denn es ist eine Sache, die
Juden freiwillig in Waggons hereinzulocken, die sie direkt in die Todesfabriken bringen, und eine andere Sache wäre, wenn die Juden in einer schrecklichen Panik jeder sich versuchte zu drücken, und die Kinder wenigstens zu retten. Und der ganze Prozeß würde verlangsamt werden.

Verstehen Sie mich, was ich sage?” Im Juni ’44 wurde aus Budapest selbst noch nicht deportiert, da gelangte der
Vrba-Wetzler-Bericht in die Schweiz und die internationale
Presse berichtete über Auschwitz. Die Alliierten drohten der ungarischen Regierung, sie würde nach dem
Krieg wegen Kriegsverbrechen angeklagt.

Rudolf Vrba: “Und am 3. Juli da wurde Budapest sehr schwer bombardiert. Und die dachten, das ist vielleicht im
Zusammenhang mit dem Report. Also, da hatte sich Horthy entschlossen, die Deportationen einzustellen. Aber inzwischen wurden 437.000 Juden nach Auschwitz deportiert aus Ungarn und davon 400.000 waren Opfer der Vergasungen und
Massenerschießungen, denn das ging so schnell, daß die Gaskammern in Auschwitz nicht konnten alles aufnehmen. Man mußte Gewehre auch dazu benutzen.”

600.000 ungarische Juden entkamen dem sicheren Tod, weil
Vrbas Bericht letztlich doch zur Einstellung der Deportation geführt hatte. – Rudolf
Vrba nimmt es mit der Beschreibung der
Tötungsmaschinerie sehr genau.

Rudolf Vrba: “Sie haben oft gehört, daß
ungefähr sechs Millionen Juden getötet wurden, ermordet und verbrannt. Man nannte das Ausrottung. Es ist nicht recht, Massenmord an Menschen mit dem Wort Ausrottung zu beschreiben. Wenn wir dies tun, folgen wir schon der
Nazisprache, der Nazisprachenart und der
Nazimentalität. Niemand wurde ausgerottet während des Holocaust. Holocaust-Opfer wurden ermordet.”


Pictures courtesy of
Westdeutscher Rundfunk (WDR)

Vrba index testimonies of Raul Hilberg (1985) A
Friedman (1985)
David Irving (1988)


©
Focal
Point 1998 write to David Irving