⚠️ Historical Documentation Notice
Historical Documentation Notice

This document is part of a historical archive and is presented for scholarly research and educational purposes.

The content reflects historical perspectives and should be understood within its historical context.


Jungle
World

Berlin, April 19, 2000

[“Jungle World” is a weekly, one of Germany’s leading “anti fascist” newspapers.]


Urteil im
Irving-Prozess

Dekonstruktion des
Revisionismus

von Hajo Funke

DEN britischen Revisionisten David Irving bezeichnete die
US-amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt in ihrem Buch »Die Leugner des
Holocaust – der wachsende Angriff auf die Wahrheit und die
Erinnerung« zutreffend als einen der gefährlichsten Holocaust-Leugner. Irving klagte wegen angeblicher Verleumdung gegen Lipstadt und ihren
Verlag Penguin. Es folgte ein Prozess, dessen vorbereitende Beweisaufnahme zwei Jahre in Anspruch nahm. Am 11.

April fällte Justice Charles Gray
das Urteil.
Jetzt hat Irving gerichtsoffiziell, was er eigentlich verbieten lassen wollte: Er ist, heißt es im
Urteilstext,

»ein aktiver Holocaust-Leugner, Antisemit,
Rassist und verbündet sich mit Rechtsextremen, die
für den Neonationalsozialismus eintreten«.

Das
über 300 Seiten starke Urteil, in das die Gutachten von
Historikern und Politikwissenschaftlern (unter anderem von
Christopher
Browning
, Peter
Longerich
und vor allem Richard
Evans
[rechts]) eingeflossen sind, weist nach, dass Irving zu diesem Zweck geschichtliche Daten und Dokumente

»durchgehend und absichtlich
verfälscht und manipuliert hat und Hitler in
einem unverantwortlich freundlichen Licht
porträtiert«.

Noch nie ist so umfangreich und erschöpfend anhand zentraler Werke David Irvings rekonstruiert worden, wie er durch leichte Abwandlungen seine auch für Historiker einmaligen Archiv- und Dokumentenkenntnisse nutzt, um Hitler zu ehren und eine »internationale jüdische
Verschwörung« zu konstruieren. Juden sind in
Irvings Sicht nicht nur für ihr eigenes Schicksal verantwortlich – sie haben es auch verdient.

Dass Irving zugleich den Holocaust an den
Juden im Kern bestreitet, gehört zu seinen nicht untypischen Widersprüchlichkeiten.

Für die historische Wissenschaft ist Irvings
Fanatismus erst wirklich sichtbar geworden, als er 1988 in das Lager der radikalen mit Neonazis verbundenen
Holocaust-Leugner konvertierte. Von da an kooperierte er in
Deutschland nicht mehr nur mit DVU und NPD, sondern auch mit den Neonationalsozialisten um Michael Kühnen und
Christian Worch.

Seine Reden sind Paradebeispiele antisemitischer Agitation eines
Holocaust-Leugners, und sie führten schließlich zu seiner Ausweisung aus Deutschland.

Die Resonanz der internationalen Medien auf den Londoner
Prozess war enorm. In Deutschland war die Berichterstattung
Eva Menasses in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die genaueste. Als skandalös wurde dagegen vom internationalen
Forschungsteam ein Artikel des Autors Jürgen
Krönig
interpretiert, der am
6. April im Feuilleton der Zeit erschien und nicht nur
Irvings Position verharmlost.

Irving, schreibt Krönig, glaube ja auch, dass »viele Juden umgebracht wurden«, er bestreite »nur die Zahl von 6
Millionen«.

Tatsächlich bestreitet Irving nicht »nur«
die Zahl von sechs Millionen, sondern den Holocaust selbst und beziffert etwa die
Zahl der in Auschwitz Getöteten auf wechselweise
100 000 oder 50 000 – »so viel wie in einer Nacht von uns in Hamburg getötet« worden seien. Der
Zeit-Autor hält den Prozess um Irving für das
Resultat der

»Entschlossenheit
jüdisch-amerikanischer Kreise, die Leugner des
Holocaust und ihren ‘Revisionismus’ . . .
niederzuringen«.

Das ist kaum anders in den antisemitischen Entgleisungen
David Irvings während des Prozesses formuliert worden.

Abgesehen von diesen eher neurechten
Äußerungen dürften der Prozess und sein
Resultat es kaum noch erlauben, David Irving weiterhin als
Herausforderung an die historische Wissenschaft anzusehen –
auch nicht für jemanden wie Ernst Nolte. Die
Wirkung dürfte für die Holocaust-Leugner selbst erheblich sein, denn mit Irvings Niederlage ist ihnen nun endgültig der beredteste Agitator weggefallen.

Der Autor, Professor für Politologie an der FU Berlin, war Gutachter im
Irving-Prozess. Demnächst erscheint: Hajo Funke /
Thomas Skelton-Robinson: David Irving. Eine Karriere im braunen Netz. Verlag Das Arabische Buch,
Berlin.

Related item on this website:

Die
Zeit April 6, 2000 Ehrgeiz und Lügen, by Jurgen
Krönig
Neues Deutschland,
April 12, 2000: Hajo Funke Interview, Verdiente
Niederlage für einen Holocaust-Leugner


April 19, 2000


Website fact: The stamina of the defence team in the Lipstadt libel action was aided by a six million dollar slushfund provided by Steven Spielberg, Edgar
J Bronfman, and the American Jewish Committee, which enabled them to pay 21 lawyers and “experts”. A million pound lollipop was figuratively brandished from the defence lawyers’ table throughout the trial, and all those who behaved got a lick at it; their experts like the “scholars”
Prof. Evans, Prof.

Longerich and others were paid up to
£125,000 each (on top of the academic salaries they continued to draw) to testify as they did. Nobody was paying for Mr Irving. His witnesses testified without payment, from conviction. [Help!]

|

Source Information
Original Publication: 2000-04-19
Digital Archive: Focal Point Publications
Accessed: June 3, 2026