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Historical Documentation Notice

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Berlin,


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Aktuelle Nachrichten

Geschichte verlangt nach
Revision – und nach Wahrheit

Aus amerikanischen Zeitschriften: Don D. Guttenplan analysiert die Hintergründe des Prozesses um die dubiosen Holocaust-Thesen des David Irving

Von Thomas Kielinger, London

Wer wissen möchte, worum es bei jener Verleumdungsklage geht, die, 1996
eingereicht, erst am 11. Januar 2000 prozessreif wurde, der kommt an der Februar-Ausgabe der US-Zeitrschrift “The Atlantic
Monthly” nicht vorbei.
In ihr hat ein in London lebender amerikanischer
Journalist, D. (Don) D.

Guttenplan, die ebenso komplexe wie schmerzhafte Materie
David
Irving
versus Deborah Lipstadt &
Penguin Books” seziert, die Hintergründe zu dem Prozess, der in diesen Wochen im Saal 73 des Londoner High
Court abläuft.

Irving,
ebenso
anerkannt
für seinen Archivalien-Fleiss wie verdammt
für die Schlüsse, zu denen er kommt,
hat bekanntlich den Spieß umgedreht

“The Holocaust on Trial” (“Der Holocaust vor Gericht”) heisst die in Taschenbuchlänge erzählte
Untersuchung. Sie übertrifft an Einsicht alles, was zum
Thema Irving und Holocaust-Revisionismus bisher geschrieben wurde. Denn Guttenplan gibt unerschrocken auch die
Shoah-Debatten in jüdischen Kreisen Amerikas und weltweit wieder. Er will Irving im Kontext erfassen.

Man schaut dabei in Abgründe, in die mit solch vorbehaltloser Scharfsicht kein nicht-jüdischer Autor (schon gar nicht ein deutscher) hätte blicken können.

Ohne Ängstlichkeit vor dem Beifall von der falschen
Seite begibt sich Guttenplan sogar auf das Terrain der schon jetzt so genannten “Holocaust-Industrie”. Dabei weiß
er nur zu genau, dass Irving und seine Sympathisanten diese
Auseinandersetzungen mit besonderem Interesse verfolgen.

Hoffen sie doch darauf, dass auch andere als Irving – ein
Raul
Hilberg
etwa oder ein Norman
Finkelstein
– den Zorn der politisch Korrekten auf sich ziehen, wenn sie vor der Ikonisierung der Shoah warnen, vor den Versuchen, vor der historischen Befragung des
Völkermordes an den Juden ein Stoppschild aufzubauen.

Guttenplan beschreibt, wie die Holocaust-Tabuisierung aus einem Forschungsgegenstand ein Kult-Objekt machen kann, mit dem sich unterschiedliche Interessen bedienen lassen, die
Bewahrung der jüdischen Identität in der Diaspora, die Abwehr jeder Assimilation, die Unbefangenheit der
Forschung. Und doch konzediert er keinen Millimeter dem mit dubiosen Methoden und Motiven arbeitenden Irving.

Eine unüberbrückbare Kluft liegt zwischen dem
Leugner der Gasöfen von
Auschwitz, Irving, und einem Buch wie “Why Did the Heavens Not Darken” (1988,
“Warum hat sich der Himmel nicht verdunkelt?”), in dem der in Princeton lehrende Arno Mayer dem “Kult der
Erinnerung” den wuchtigen Satz entgegenstellt: “Geschichte verlangt nach Revision.”

Zwar will auch Irving diesen
Begriff für sich reklamieren – zugleich aber will er ihn um seiner eigenen Verbohrtheit willen aller Signifikanz entkleiden.

Guttenplans Meisterschaft ist
eine unauffällig pädagogische: Ganz ohne
Belehrung, mit der Objektivität des hinter die
Materie Zurücktretenden, führt er in die
Tiefendimension der Argumente ein, dem Leser selber die
Schlussfolgerungen überlassend. Er hat seine Quellen
nicht nur studiert, sondern die wichtigsten Personen des
Dramas auch besucht, auch David Irving, und ihnen
lebensnahe Porträts gewidmet.

Man weiss nicht, was
man an seinem Text mehr bewundern soll – das
mündliche Zeugnis der von ihm Befragten, die
treffenden Zitate aus der schier uferlosen Literatur oder
die verbindenden Überlegungen, auch gelegentlichen
Selbstbefragungen, an denen uns der Autor auf seiner
Wanderschaft teilnehmen lässt.

Guttenplan macht deutlich, welche intellektuellen und ethischen Fragen der Londoner Prozess aufwirft und was auf dem Spiel steht mit dem Richterspruch, der noch leicht zwei
Monate auf sich warten lassen kann. Irving, ebenso anerkannt für seinen Archivalien-Fleiss wie verdammt für die
Schlüsse, zu denen er kommt, hat bekanntlich den
Spieß umgedreht und selber einen der ihn
Attackierenden verklagt, die amerikanische Forscherin
Deborah Lipstadt.

In ihrem Buch
Die Verneinung des Holocaust – der wachsende Angriff auf die Wahrheit und die
Erinnerung
” (1993) behauptet sie, der Autor von
“Hitlers Krieg” sei “einer der gefährlichsten Sprecher für die
Verneinung des Holocaust”. Das muss sie nach britischem
Recht beweisen können, mit den Mitteln der Forschung.
Kein Wunder, das die Verteidigung Jahre der Vorbereitung gebraucht hat.

Denn den Anwälten der Beklagten und ihres Verlages,
Penguin Books, kann es nicht genügen, schon vorhandene
Geschichtswerke gegen den Kläger einfach in Stellung zu bringen.

Vielmehr wurden neue Untersuchungen bei renommierten Fachleuten eingeholt, um Irvings Thesen zum
Einsturz bringen zu können: Dass in Auschwitz keine
Vergasungen stattgefunden haben sollen; dass Hitler
keinen “Einsatzbefehl” zur Liquidation der Juden gegeben habe; und dass der Völkermord keiner systematischen
Planung auf Seiten der Nationalsozialisten entsprungen sei.

Unter den neuen Expertisen, bei Guttenplan nachgezeichnet, finden sich Beiträge von Christopher
Browning
oder Peter Longerich, auch mehrere
Studien über die Beziehungen Irvings zur
Neo-Nazi-Szene.

Am meisten beeindrucken die 726 Seiten des
Cambridger Historikers Richard Evans, auf denen
Irvings Umgang mit Fakten und Dokumenten belegt werden, wobei Evans, wie er schreibt, “über die schiere Tiefe der Falschmünzerei” erschrecken musste, mit der Irving in seinen Büchern alle Holocaust-relevanten Zeugnisse behandelt.

Doch dieser beansprucht für sich nichts weniger als einen Platz in der heiligen Halle streitbarer, legitimer
Forschung. Er ist schließlich oft genug von großen Namen für seine Akribie gerühmt worden, so von Gordon Craig, Hugh Trevor-Roper,
John
Keegan
, auch wenn diese seine Konklusionen, etwa
Hitlers angebliche “Unbeteiligung” an der Endlösung, als Chimäre zurückgewiesen haben.

Guttenplan erinnert aber auch daran, wie schlecht es
Irving der Zunft lohnt, dass sie ihn noch 1996 in einem berühmten Streitfall um die Freiheit der Forschung und des Publizierens verteidigt hatte. Damals zog sich die
St. Martin’s
Press von Irvings bereits angenommener Goebbels-Biographie nach weltweiten Protesten zurück.

Da hatte der Autor, von Noam Chomsky bis
Pierre Vidal-Nacquet, die Aufklärer auf seiner
Seite, mochten sie sich mit seinem Werk auch nicht identifizieren.

Diese Freiheit will Irving nun aber seiner Kontrahentin
Deborah Lipstadt per Gerichtsbeschluss nehmen lassen. Er wird inzwischen von der internationalen Verlagswelt boykottiert und sieht seine wirtschaftliche Basis in Gefahr.
Da hört jede Höflichkeit auf. D. D. Guttenplan dagegen bleibt höflich und argumentiert sachlich, auch zur Rettung Irvings vor sich selber (das Porträt des
Umstrittenen ist mit besonderer Einfühlung geschrieben).

Seine Untersuchung trifft den Leser zeitweilig wie ein schmerzhaftes Licht. Dem wird sich kein Student der
Zeitgeschichte entziehen wollen.

Guttenplan im Internet: www.theatlantic.com

Unser
Buchtipp dazu: “Das Reich hört mit” von Irving, David versandkostenfrei bestellen bei bol.de


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Berlin,


Courtesy links: Professor
Evans’ witness report • click to download

Dr Longerich’s witness report • click to download

Prof van Pelt’s witness report • click to download

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Source Information
Original Publication: 2000-02-26
Digital Archive: Focal Point Publications
Accessed: June 4, 2026