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HOLOCAUST INDUSTRY
NEWS
Bald
“Holocaust-Education” an den
Schulen
Reiche kündigt Lehrplan noch in diesem Jahr an – Anne-Frank-Ausstellung in vier
Städten
Potsdam – BRANDENBURGS
Schüler sollen sich nach dem Willen von Bildungsminister Steffen Reiche
(SPD) künftig noch intensiver mit
Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzen. Noch in diesem Jahr werde er daher einen Lehrplan zur
“Holocaust-Education” vorlegen, wonach diese ein fester Bestandteil des gesamten
Unterrichts in allen Klassenstufen sein wird, sagte Reiche am Mittwoch in
Potsdam.
In unterschiedlichsten
Unterrichtsfächern, aber auch
Projektwochen und bei anderen
Aktivitäten sollen die Schüler
über Antisemitismus,
Ausländerfeindlichkeit und Gewalt informiert werden. “Diese Themen werden zwar bereits in großem Umfang an unseren Schulen behandelt, aber dies soll jetzt in einem Lehrplan fest verankert werden”, sagte Reiche.
Nach seinen Angaben wird Brandenburg das erste Bundesland sein, das einen Lehrplan für
“Holocaust-Education” vorlegt. “Es ist wichtig, dass die Schüler mit jeder
Faser ihres Herzens begreifen, dass so etwas nie wieder passieren darf”, betonte
Reiche. Er wies darauf hin, dass es an
Brandenburgs Schulen schon jetzt zahlreiche Projekte gegen Antisemitismus wie Gedenkstättenarbeit oder deutsch-jüdische Geschichte im
Unterricht gibt.
Als wichtiges Begleitmedium bei der
Auseinandersetzung mit Antisemitismus und
Rechtsextremismus an den Brandenburger
Schulen bezeichnete Reiche die Ausstellung
“Anne
Frank – Eine Geschichte für heute”, die auch im nächsten Jahr in vier Städten des Landes zu sehen sein werde.
Reiche sagte, er habe über 35
000 Mark aus dem Fonds “Tolerantes
Brandenburg” bereit gestellt, um die
Ausstellung in Prenzlau, Neuruppin,
Rathenow und Cottbus zeigen zu können. Die 1996 in Wien erstmals gezeigte Ausstellung “lebt davon, dass sie von Schülern für Schüler präsentiert wird”.
Vor kurzem war eine vergleichende Studie
“Antisemitismus unter Jugendlichen in
Brandenburg und Nordrhein-Westfalen” des
Instituts für Familien-, Kindheits-
und Jugendforschung der Potsdamer
Universität vom Autoren Dietmar
Sturzbecher vorgestellt worden. Ihm zufolge sind antisemitische
Strömungen in Brandenburg mehr als doppelt so stark ausgeprägt als in
NRW.
Das gelte “sowohl für Hardliner als auch für Mitläufer”, hatte
Sturzbecher gesagt, der 4500 Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren befragen ließ.
Bei fast 37 Prozent der Jungen wurden hohe oder eher hohe judenfeindliche
Einstellungen festgestellt, in NRW waren es 16,8 Prozent. Während in
Brandenburg 21,3 Prozent der Mädchen einen hohen oder eher hohen Antisemitismus offenbarten, waren es in NRW nur 5,6
Prozent.
dpa/m.k.