INSTITUT FÜR ZEITGESCHICHTE München den 4. September 1990 – Hellmuth Auerbach – Staatsanwaltschaft beim Landgericht München I Herrn Oberstaatsanwalt Wick Lindwurmstraße 25 Bezug: Telefongespräch am 4. 9. 1990 Sehr geehrter Herr Oberstaatsanwalt, der Unterzeichner dieses Schreibens ist in seiner Eigenschaft als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte aufgefordert worden, in einem Disziplinargerichtsverfahren vor dem 2.
Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts als Sachverständiger aufzutreten. Gegenstand des Gerichtsverfahrens sind NS-apologetische bzw. „revisionistische” Äußerungen (u. a. Leugnung der nationalsozialistischen Judenverfolgung und -vernichtung) durch einen Fregattenkapitän der Bundesmarine. Seitens der Verteidigung des Angeklagten wurde der britische Publizist David Irving als zweiter Sachverständiger benannt und vom Vorsitzenden Richter geladen.
Herr Irving verkehrt seit Jahrzehnten als Benutzer von Bibliothek und Archiv im Institut für Zeitgeschichte. Seine Schriften und seine Tätigkeit, die sich in den letzten zehn Jahren immer stärker in Richtung auf eine Propagierung rechtsextremistischer und NS-apologetischer Thesen entwickelt hat, sind dem Institut für Zeitgeschichte wohlbekannt. Herr Irving kann u.
E. nicht als unabhängiger wissenschaftlicher Sachverständiger für zeitgeschichtliche Fragen angesehen werden, und wir sind bestrebt, den Vorsitzenden Richter noch vor der Gerichtsverhandlung über die Person und Haltung David Irvings aufzuklären. In diesem Zusammenhang bitten wir um Auskunft darüber, ob es den Tatsachen entspricht, daß bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts München I ein Ermittlungsverfahren gegen Herrn Irving eingeleitet worden ist, nachdem dieser sich am 20.
April 1990 zur „Feier” des 100. Geburtstags Adolf Hitlers an einem von rechtsextremistischen Gruppen organisierten propagandistischen „Marsch zur Feldherrnhalle” in München führend beteiligt hatte. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns zu dem oben genannten Zweck nähere Einzelheiten über den Gegenstand des Ermittlungsverfahrens mitteilen konnten. Mit bestem Dank für Ihr Entgegenkommen und freundlichen Grüßen [gez] Hellmuth Auerbach
See Also
- Jewish Chronicle, November 18, 1960 (Book)
- Jchron291102 (Book)
- Jchron 181160 (Book)
- Jchron170792 (Document)
- Jchron021283 (Letter)