“Rechtsextremismus sitzt tiefer in der
Gesellschaft”
Historiker reden über Rechtsradikale
Aachen (dpa/an-o). Der bevorstehende 43. Deutsche Historikertag in Aachen soll auch ein Signal gegen
Rechtsradikalismus geben. Der
Historikertag unter dem Leitwort
“Eine
Welt – Eine
Geschichte” beginnt am Dienstag und dauert bis Freitag (26. bis 29. September).
“Es wäre schön, wenn von diesem Historikertag ein Impuls zur
Eindämmung von Rechtsradikalismus ausgehen könnte”, sagte der
Vorsitzende des Verbandes der Historiker
Deutschlands, Professor Johannes
Fried. Zahlreiche Geschichtslehrer würden unter den 3000 Teilnehmern erwartet. “Ich hoffe, dass wir Impulse weitergeben können, die dann auch die
Schüler erreichen.”
Auf dem
Historikertag ist eine
Podiumsdiskussion mit Wissenschaftlern
und Politikern zu den Ursachen von
rechter Gewalt und möglichen
Bekämpfungsstrategien
zusätzlich ins Programm
aufgenommen worden.
Gesellschaftliches
Wächteramt
Die Geschichtswissenschaft habe ein gesellschaftliches Wächteramt, betonte Fried. Sie sei bei dem Thema
Rechtsradikalismus in besonderer Weise gefordert, da dieser eine historische
Dimension habe. In Deutschland habe der
Rechtsextremismus “eine lange, schmerzhafte Tradition, die politische
Katastrophen schon herbeigeführt hat”.
Fried wandte sich gegen Erwartungen, der Geschichtsunterricht allein könne das Problem lösen. “Die
Bekämpfung des Rechtsradikalismus, ansetzend allein bei der Darstellung und
Kritik des Dritten Reiches, greift zu kurz. Die Ursachen sitzen tiefer in der deutschen Gesellschaft. Sie weisen weit ins 19. Jahrhundert zurück, sind vielleicht auf noch älteren Wurzeln aufbauend.”
Zur Diskussion um ein Verbot der NPD meinte Fried, dass es hierfür
Gründe wie Gegenargumente gebe: “Eine sehr schwierige Situation, ich möchte nicht Politiker sein, um dies entscheiden zu müssen.” Ein Verbot würde lediglich versuchen, die Außenseite des Problems “weg zu retuschieren”.
Langfristige
Programme
Die Anfälligkeit für
Rechtsradikalismus könne nur durch langfristige Erziehungsprogramme gedämpft werden. Auf der anderen
Seite könnten organisierte Parteien sich rechtsradikale Aktivitäten, vor allem junger Leute, nutzbar machen, organisieren und ihnen damit eine ganz andere Struktur und Dynamik verleihen.
“Von daher wäre ein Verbot gerechtfertigt.”